Südamerika.
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schule fiir Missionäre. Schwierigkeiten, die sich mit der römischen Kurie erhoben hatteni und erst durch die Konvention vom 28. Oktober 1862 beigelegt wurden, haben überdieslange Zeit die Bemühungen der Regierung gelähmt; endlich sind nun die Grenzen zwischenbeiden Gewalten genau gezogen, und es steht zu hoffen, daß die Mission nunmehr eine: immer weitcrgreifende regelmäßige Organisation erhalten wird. Wenn es erst Hirten
' giebt, wird sich auch die Herde finden. Es giebt kaum ein Lslutorio, welches nicht die
Nachricht enthielte, daß der oder jener Stamm, von zahlreichen wilden Nachbarn be-! droht*) oder vom Hunger decimiert, um Schutz und Aufnahme in den aläous gebeten
! habe. Man nimmt die Unglücklichen auf, versieht sie mit Nahrung, unterweist sie in
Handarbeit; zuweilen nehmen sie eine menschenwürdige Lebensweise an: man hat Bei-' spiele, daß sie sich mit der gewöhnlichen Bevölkerung gemischt haben, wie in der Provinz
- Rio Grande do Norte. Aber nur die Lehre des Evangeliums wird die Macht besitzen,
' ihre Erinnerungen zu vertilgen. Wo sind aber die Apostel? In der ungeheuren Pro-
, ; vinz Amazonas, die von umherziehenden Jndianerstämmen wimmelt, war im Jahre 1862
? nicht eine einzige Missionsstation. Zur selben Zeit zählte man im ganzen Reiche**)
! ' nicht mehr als 34 Kapuziner-Missionäre (Llissionarios Euxuebinos). In den Jahren
! l8K5 und 1866 sind 22 Missionäre (18 Priester, 4 Laienbrüder), von denen 2 für
i die Missionen in Para bestimmt sind (um an der Grenze von holländisch Guyana rrläsas
zu gründen), von Rom abgegangen, ausgesendet von der conAröMÄone äs In Uropa-Zanäa, unter den im Jahre 1862 festgesetzten Bedingungen. Das ist nur eine schwache, ; Verstärkung an Mannschaft. Die im Staatsbudget für die eatsoliess s eivilisapsio äosIndios ausgesetzte Summe schwankt schon seit einigen Jahren zwischen 60,000 und80,000 Milr.
Ergänzende Schlnßbctrachtungen. Brasilien ist das Land der Kontraste:nicht bloß wegen der Verschiedenheit der Himmelsstriche und seiner wunderbar üppigenNatur, sondern wegen der Unterschiede in der Civilisation und der Lebensweise, welchedie zahlreichen über sein ungeheures Gebiet hin zerstreuten Racen und Stämme charakte-risieren. Glücklicherweise existiert hier das Vorurteil in Beziehung auf die Hautfarbenicht wie in andern Ländern Amerikas***), obgleich die Sklaverei nur erst eben im; Verschwinden begriffen ist. So vollzieht sich mit der Zeit, wenigstens in den Mittelpunktender Bevölkerung eine Verschmelzung, deren Folge eine schärfere Ausprägung der Eigen-j tümlichkeit des nationalen Typus sein wird. Die brasilische Regierung erscheint von demGedanken durchdrungen, daß man, um ein Land von so eigentümlichen Bedingungen zur
*) Am 18. Januar 1857 erschlug eine Horde wilder Araras sieben MnraSindianer in derNähe des Sees Uraruä; die Opfer wurden aufgefressen und ihre Mörder fielen darauf in diebenachbarten Ansiedlungen ein und plünderten und verwüsteten alles. Das ist keine einzelnstehende Thatsache. Drei Jahre vorher hatten eine Menge Indianer, in Schrecken gesetzt durchdie Nähe noch barbarischerer Stämme, die Behörde von Maranhllo flehentlich gebeten, ihnen Zu-slucht zu gewähren. Und wider im Jahre 1857 kamen ähnliche Berichte aus Ghäz, u. s. w. Eswäre von der größten Bedeutung, aus dieser Lage der Dinge Nutzen zu ziehen, indem man allemögliche Sorgfalt auf die Erziehung solcher Flüchtlinge verwendet, die ihr eigenes Interesse inden Meas sesthält, und die vielleicht nicht so sehr aller Civilisation abgeneigt sind, wie mangewöhnlich glaubt (über diesen letzteren Punkt vergleiche man kracken, nouvsllss etuckss Zur Isllresil, karis 1872. 12°, und lese man bei Agassi; p. 103 die Beschreibung einer indianischenSchule in ManLos).
**) Im Municipio da Cörte 3, in der Provinz Rio de Janeiro 2, in Espirito Santo 1,in Maranhäo 1, in Sllo Paulo 4, in Paranä 2, in Minas geraes 7, in Goya; 3, in MatoGrosso 3, in Rio grande do Sul 1, in Pernambuco 7 (Wappäus S. 1314).
***) Agassiz bemerkte bei seinem Besuche des eollsgio cko keckro II: „Die Schüler darinwaren von allen Racen, man fand darin Schwarze und alle Zwischenschattierungen bis zumWeißen; ja der Klassenlehrer an einer der oberen Lateinklasse war ein Vollblutneger. Dieserschwarze Professor hatte bei dem letzten Konkurse um den Lehrstuhl, welchen er einnahm, dasbeste Examen gemacht, und war mit Stimmeneinhelligkeit mehreren Brasilianern europäischer Ab-wnst vorangestellt worden, die sich zugleich mit ihm um die vakante Stelle beworben batten,"(l>> 110).