Südamerika.
343
Fakultäten.
1864.
1867.
1870.
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Medi-
ziner
Pharma-
ceuten
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Rio de Janeiro .Bahia ....
161
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—
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102
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539
342
Lummen:
294
55 —
349 j 442 138
— ^ 580 677 202 2
881
Was ven intensiven Wert der Ergebnisse betrifft, so sind die strengsten Kritikerdarüber einig, daß der höhere Unterricht in Brasilien viel gediegener ist, als der auf denbeiden andern Unterrichtsstufen; und zwar ist dies namentlich der Fall in den medizi-nischen Fakultäten. In der letzten Zeit hatten dieselben auch einigermaßen unter demKriege mit Paraguay zu leiden: mehrere Professoren mußten sich auf den Kriegsschau-platz begeben; ihre Kollegen wurden aufgefordert, die Lehraufgabe derselben neben derihrigen zu erfüllen, also doppelten Dienst zu thun; man inußte sogar eine Zeit lang dieKonkurse ganz aussetzen. Die Regierung hat soeben eine sehr zweckmäßige Maßregel ge-troffen, indem sie dafür sorgt, daß Doktoren, welche im Auslande promoviert haben, vonjetzt an leichter in die Fakultäten ausgenommen werden können: so wird sich der regel-rechte Gang bald wider Herstellen. Indes ist auch hier der Unterricht zu formalistisch.Einerseits sieht man das Heil nur in Reglements und in Lehrplänen, so daß die Pro-fessoren genötigt sind, sich buchstäblich an den Lehrplan zu binden und gänzlich der aka-vemischen Freiheit und Selbstbestimmung entbehren**), andererseits werden nach Agassizdie Hilfswissenschaften, welche doch die Grundlagen einer tieferen medizinischen Bildungsind, ungenügend vorgetragen. Man legt in diesen medizinischen Fachschulen der Zoologie,der vergleichenden Anatomie, der Botanik, der Physik und der Chemie nicht genug Wichtig-keit bei, der Unterricht wird nach Büchern gegeben, statt nach Thatsachen. „Übrigens,"fügt Agassiz hinzu, „so lange in Brasilien das Vorurteil gegen die Arbeit mit der Handbesteht, wird auch der praktische Unterricht schlecht gegeben werden; so lange diejenigen,welche die Natur studieren, meinen, es schicke sich für einen Gentleman nicht, seine Natur-objekte, oder seinen geologischen Hammer zur Hand zu nehmen und selbst die geeignetenHanddienste zu leisten, so lange werden sie nichts sein, als Dilettanten in wissenschaft-lichen Untersuchungen; sie werden vielleicht die von andern berichteten Thatsachen vortreff-lich kennen zu lernen imstande sein, aber sie werden keine eigenen Beobachtungen machen.Aus diesem Grunde, und auch aus persönlicher Trägheit bleiben die Brasilianer denStudien über ihr eigenes Land fremd; mitten in eine über alle Beschreibung reiche Naturhiueingestellt, verlegen sich ihre Naturforscher auf die Theorie, nicht auf die Praxis: siewissen viel mehr von der ausländischen Bibliographie, als von der wundervollen Floraund Fauna, die sie umgiebt!" ***)
e) Budget des höheren Unterrichts für 1869 — 1870 : Rechtsfakultäten 170,000Milr.; medizinische Fakultäten 202,015 Milr., zusammen 372,015 Milr.
Theologische Schulen. Obgleich der Katholizismus Staatsreligion ist 4), hatdoch die Kirche geradezu kein Vermögen; die Geistlichkeit ist ziemlich arm, und nicht
*1 Von diesen 435 Medizin Studierenden sind 245 aus der Stadt Rio de Janeiro.Koseritz giebt die Gesamtzahl für das Jahr 1883 sogar auf 1200 an (a. a. O. S. 128).
**) So Tschudi.
***) Agassiz S. 489. Es giebt natürlich ehrenvolle Ausnahmen.
ch) Anderen Kulten ist übrigens der Gottesdienst erlaubt, nur müssen sie sich öffentlicherKundgebungen enthalten. In Wirklichkeit besteht die vollkommenste Freiheit, ja man muß sogarhinzusllgen, in Brasilien herrscht eine weitgehende religiöse Gleichgiltigkeit.