Südamerika.
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werden, oder ein Consulat zu erhalten. Trotz der den Brasiliern (wie den Portugiesen)nachgesagten Ämtersucht steht ihre Apathie auch hierin dem guten Willen des Ministeriumsentgegen. — Nach der im Schulwesen allgemein angenommenen Regel werden auch dieLehrstühle am Handelsinstitut durch einen Konkurs besetzt. Es sind ihrer vier; die Be-soldung schwankt zwischen 600 und 800 Milr., der Direktor bezieht 1200 Milr.
Die Centralschule (Lsoola Central), mit welcher die Militärschule (LsoolaWitar) vereinigt ist, ist eine gut eingerichtete und in ausgiebigen Räumen untergebrachteAnstalt, aus welcher der Staat seine Ingenieure und Offiziere nimmt. Agassiz schildertsie nach dem Eindruck von 1865 folgendermaßen: „Sie entspricht dem, was man beiuns (in den Vereinigten Staaten) a soisntiüo sobool nennt, und nirgends in Brasilienhabe ich eine Unterrichtsanstalt getroffen, in welcher die verbesserten Lehrmethoden so hochgewürdigt und so allgemein angewendet sind. Der Unterricht in den mathematischenFächern, in der Physik, Chemie und in den Naturwissenschaften ist umfassend und wirdgründlich behandelt; aber auch in dieser Anstalt mußte ich mich wundern über die Ge-ringfügigkeit der Mittel für praktische und experimentale Demonstration; die Lehrerscheinen nicht genug erkannt zu haben, daß die realen Wissenschaften sich nicht einzig oderhauptsächlich mit dem Handbuch in der Hand lehren lassen. Die den Zöglingen derCentralschulc, und wol in noch höherem Grade der Militärschule zugestandenen Vorteilesind sehr bedeutend; der Unterricht ist durchaus unentgeltlich, und in der Militärschuleerhalten dieselben nicht bloß Kost, Kleidung u. s. f., sondern sogar noch einen Sold, da sievon ihrem Eintritt an als der Armee des Landes angehörig betrachtet werden*).
Die Marineschule (Lsoolu äa, marinba) umfaßt 4 Studienjahre, von denendas letzte an Bord eines Kriegsschiffs mit praktischen Übungen und auf einer längerenSeereise zugebracht wird. Später ist die Studienzeit um ein Jahr verlängert. ImJahre 1867 zählte die Marineschule 108 Zöglinge, von denen 54 auf das erste Jahr,SV auf das zweite, 24 auf das dritte kamen**).
Die neue Seeartillerieschule (Lsoola. äs tiro äs ma-rinba) ist auf einerabgetakelten Fregatte eingerichtet, die in der Bai von Rio vor Anker liegt. Ihre Orga-nisation ist von zwei höheren Marineoffizieren entworfen, deren Pläne von dem Grafenvon En (Louis Gaston d'Orleans), Marschall des Kaiserreichs, angenommen worden sind.
Die Akademie der schönen Künste (^.oaäsmia äas UsUas ^.rtss) bestehtseit 1824;***) die Statuten sind am 14. Mai 1855 reformiert und später durch ver-schiedene Erlasse noch näher erläutert worden. Sie begreift 5 Sektionen: Architektur(3 Lehrstühle: geometr. Zeichnen, Ornamentenzeichnen, bürgerliche Baukunst); Skulptur(3 Lehrstühle: ornamentale Skulptur, Medaillen- und Edelsteinschneidekunst, Bildhauer-kunst); Malerei (3 Lehrstühle: Figurenzeichnen, Landschaft-, Blumen-, Tiermalerei,Historienmalerei); Hilfswissenschaften (3 Lehrstühle: angewandte Mathematik; Anatomieund Physiologie; Kunstgeschichte, Ästhetik und Archäologie); Musik (im Konservatorium).Die Professoren werden von der Regierung ernannt auf Vorschlag der akademischenKörperschaft, welche unter dem Vorsitz des Direktors die wirklichen und die Honorar-professoren in sich begreift (die letztgenannten werden aus den Alumnen der Akademiegewählt, welche sich besonders ausgezeichnet haben: sie sind verpflichtet, die Stelle derabwesenden, kranken oder verhinderten Professoren zu vertreten. — Nach 25 Jahrenaktiven Dienstes sind die Professoren zu einer Pension im vollen Betrag ihres Gehaltsberechtigt; wenn sie noch längere Zeit im Dienste bleiben mit Genehmigung der Regie-rung, beziehen sie eine Zulage von 400 Milr. von dem Tage an, an welchem sie be-rechtigt gewesen wären, ihre Ansprüche auf Pensionierung geltend zu machen. Ein 6 Mo-nate ohne gesetzlichen Grund abwesender Professor wird als entlassen betrachtet; doch
ü Xgassir ob. XVI. (sä. tranHaios p. 489).
WappLus a. a. O.
***) Bahia besitzt gleichfalls eine Malerschule.
Päd-,-,. Encyklopädie. IX. 2. Aufl.