328
Südamerika.
indessen die Thatsache, baß letztere zugleich die geistliche Hauptstadt des Reiches ist*),das Vorhandensein einer medizinischen Fakultät und einer trotz der Verheerungen derTermiten**) noch ziemlich reichlich ausgestatteten Bibliothek, die Opfer, welche die Pro-vinz schon seit langer Zeit zu Gunsten des Unterrichts aller Grade sich auferlegt, dieRührigkeit der Presse, ein gewisser überlieferter Schönheitssinn bei den Bewohnern, dersich auch in der Eleganz der öffentlichen und Privatbauten kundgiebt, alles das beweist,daß die Bahienser, während sie materielle Reichtümer zu sammeln verstehen, doch wederfremd noch gleichgültig bleiben gegen das, was den Menschen hebt und verfeinert. Sowoldie Sekundär- als die Primärschulen gehören zu den besten Brasiliens; das Personal desLyceums zählt 16 Lehrer.
In dritter Linie nennen wir das Lyceum des Klosters de Carmo in Sno Luizde Maranhäo, in welchem die alten Sprachen, Französisch, Englisch, Geschichte undGeographie, Mathematik und Handelswissenschaften, Rhetorik und Philosophie gelehrtwerden; das OolloZio äsUornambueo, eine ebenfalls ziemlich vollständig besetzteAnstalt (13 Lehrer), und das U,z' 06 o äo 6apita1 in Parä. In der Provinz SüoPaulo ist seit kurzem ein „deutsches Lyceum" errichtet, welches schon sehr tüchtigesleistet (8 Lehrer, wovon 4 Deutsche, 3 Brasilianer, 1 Franzose; dazu ein brasilischerHauskaplan) ***).
Die übrigen Anstalten für den Sekundärunterricht sind vielmehr einfache Mittel-schulen; oft ist eine Elementarschule mit ihnen verbunden. Latein, Französisch, Anfangs-gründe der Arithmetik und allgemeine Geographie bilden die wesentlichsten Unterrichts-gegenstände in denselben. „In einem Teile werden außerdem gelehrt: Englisch, Portu-giesisch, allgemeine Geschichte von Brasilien und Musik oder Rhetorik und Poetik, imandern Zeichnen, Naturwissenschaften und kaufmännisches Rechnen, Deutsch nur in 2(mit resp. 4 und 6 Schülern). Es können demnach diese Mittelschulen keineswegsunseren Gymnasien oder höheren Realschulen gleichgestellt werden, und mögen wol dievollkommensten höchstens das leisten, was von unfern bessern sogenannten Bürgerschulenverlangt wird" ff).
Im Municipio da Corte allein führte man im Jahre 1867 24 Privatanstaltensolcher Art auf, 12 für Knaben und 12 für Mädchen. Ter Unterricht in den letzterenumfaßte nur Französisch (in allen), Musik (in 11 Schulen), Englisch (nur in 4) undDeutsch (nur in 2, mit resp. 4 und 3 Schülerinnen im Jahre 1867). Die Vorsteherinnenwaren gewöhnlich Nonnen ffff). Wie die Privatprimärschulen sind auch diese Anstalten ins-gesamt der Staatsaufsicht unterworfen. Ähnliche finden sich beinahe in allen Provinzen,bald nennen sie sich I-z-osos, bald Lttbsnoos, oder OoUogios; auch giebt es hie und davereinzelte Lehrstühle (aulas avulsas, abgerissene Hörsäle) des Sekundärunterrichts.Pernambuco, Süo Paulo und Bahia haben bereits Sekundärschulen, welche für dasStudium des Rechts und der Medizin vorbereiten.
d) Die allgemeinen Bestimmungen über die Prüfung der Kandidaten für diePrimärschulen wurden im Bezirk des Municipio auch auf diejenigen angewendet, welche
*) Bahia besitzt ein theologisches Seminar von einer gewissen Bedeutung.
**) Die Grundlage dieser Bibliothek rührt von den Jesuiten her; leider haben die zer-störenden Insekten eine große Anzahl alter, zumal für die Geschichte Brasiliens wichtiger Manu-skripte nicht verschont. Der Ertrag einer Lotterie hat die Anschaffung von 12 000 mehr oderweniger neueren, meist französischen Werken möglich gemacht. Kurz, die Bibliothek ist ein sehrnützliches Institut, wenn sie auch mit derjenigen in Rio (100000 Bände) nicht verglichenwerden kann.
***) Die in Brasilien wider eingezogenen Jesuiten haben ihrerseits vor einiger Zeit eine ArtKollegium in Süo Pedro do Sul gegründet.
ch) Wappäus S. 1522.
fff) Die besuchteste dieser Mittelschulen für Mädchen war das OoIIogio äa Immacuig.äaOonoeixllo. Unter den Knabeninstituten weist Wappäus den ersten Rang dem Freikollegiumdes Klosters von Sllo Bento an, welches die Benediktinermönche versehen.