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9 (1887) Spanien - Vives
Entstehung
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zur Theologie studiert wissen, nur gereinigt von aller Scholastik und mehr nur historisch;daß er selbst kein philosophischer Geist war, ist ihm nicht zum Vorwurf zu machen, unddaß ihm diejenige Philosophie, die zu seiner Zeit auf den Universitäten gelehrt wurde,nicht genügte, aber auch die Kartesianische seiner ganzen Geistesrichtung nicht zusagte, istebenfalls begreiflich. Dagegen legte er auf Physik und Mathematik einen weit höherenWert; jene fördere auf ihre Weise die Erkenntnis Gottes, diese sei das trefflichste Mittelzur Schärfung des Verstandes (Hoßbach I, 215). Ist nicht auch hierin schon der Punkterkennbar, an welchem später die Entstehung der Realschulen mit dem Pietismus zu-sammenhieng? Daß Spener mehr Sinn für Geschichte hatte, als manche neuere Artenund Abarten theologischer Frömmigkeit, bezeugte sich in der seiner Gemütsrichtung sowenig verwandt scheinenden Liebhaberei für genealogische und heraldische Studien, denener sich in jüngeren Jahren hingab; für die höhere Bildung forderte er auch Kenntnis derGeschichte, aber freilich in ziemlich kleinem Format, sofern er ein Hilfsbuch, das allewichtigen Thatsachen in geordneter Reihenfolge enthalten sollte, vorerst für genügenderachtete; zu eingehenderen historischen Studien hielt er erst die Mannesjahre für geeignet.Was aber das ihm wichtigste unter allen Lehrfächern, den Religionsunterricht betrifft, sohaben wir hierüber, das früher Gesagte teils ergänzend, teils zusammenfafsend, folgendesan diesem Orte zu sagen; zu weiterer Kenntnisnahme von Speners Leistungen in diesemGebiet empfiehlt sich die Schrift von W. Thilo: Spener als Katechet, Berlin 1840.

1. Wenn von streng kirchlicher Seite gegen etwaiges Übermaß in der Wertschätzungder Verdienste Speners geltend gemacht wird, daß schon vor ihm die alten, von denevangelischen Kirchenordnungen geforderten Katechismusexamina keineswegs allgemein außerÜbung gekommen, noch auch völlig unfruchtbar betrieben worden seien, so lassen sich wolimmer einzelne Männer nennen, die auch in diesem Stück ihres Amtes treuer warteten;allein man darf nur vergleichen, wie Valentin Andreä (s. d. Art.) den Zustand desJugendunterrichts zu seiner Zeit schildert, um zu ermessen, welch mächtige Impulse vonSpener müssen ausgegangen sein. Auch läßt sich die Zeit, in die er eintrat, hinreichendaus den Gründen erkennen, mit denen seine Gegner in Sachsen, in Hainburg und sonstseine katechetischen Bestrebungen bekämpften. Die einen sagten: das sei eine Neuerungund schon als solche verwerflich; die Vorfahren haben das nicht gethan; wenn man jetztdergleichen ins Werk setze, so werden jene dadurch beschimpft!! Wie besonnen und wahr-heitsgetreu hat Spener dieser Gattung von Leuten, die mit dem Worte Neuerung dasihnen Verhaßteste bezeichneten, den Vorhalt gemacht, daß man mit solch einer unzeitigenVerehrung der Vorfahren nie zu einem Fortschritt gelangen würde, daß nach diesemGrundsatz weder das Christentum noch die Reformation hätten Aufnahme in der Weltfinden können. Die andern sagten, es haben weder die Prediger neben ihren Studienund Amtsgeschäften noch Zeit, sich mit Kindern abzugeben, noch auch finden die ElternZeit, um ihre Kinder so lange zu entbehren! Und selbst des Einwands schämte mansich nicht: es sei eine Ungerechtigkeit, den Predigern die Mühe des Katechisierens aufzu-erlegen, ohne ihre Besoldungen zu erhöhen! Gerade solchem Widerstand gegenüber warSpeners Art, ruhig aber beharrlich seine Zwecke zu verfolgen, mit dem beschämendenBeispiel seiner eigenen, unermüdeten Thätigkeit voranzugehen, und ohne Zwangsmaßregelndurch Wort und Schrift anregend zu wirken, die richtige; man muß ihm aus vollemHerzen zustimmen, wenn er in einem seiner Bedenken (s. Hoßbach I, S. 173) sagt:Ich verfahre so, daß es mir eine Regel ist, von der ich nicht leicht weiche, selbst dasGroße, Nichtalltägliche, Ungewöhnliche, wenn ich es mir im Geiste vorgenommen habe,mit der geringsten Bewegung, und als triebe ich etwas ganz anderes, zu behandeln.Dieses Verfahren erscheint vielleicht zu langsam und ist es auch, aber es ist zugleichsicherer und zuletzt, worauf ich mich im Herrn verlasse, fruchtbringender, wogegen das,was mit großer Zurüstung und so, daß gleich auf den ersten Anfang aller Augen ge-richtet werden, unternommen wird, weit schwerere Hindernisse und die heftigsten Gegnerbekommt, und daher viel öfter des Erfolgs entbehrt, zu desto größerem Schaden, weil