Spener.
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zwischen Lutheranern und Reformierten, die sogar durch fürstlichen Machtspruch hergestelltwerden sollte, in der Stille zu arbeiten. All das aber konnte seine Hoffnung aufBesserung der Kirche nicht schwächen, und auf seinem letzten Krankenlager dankte er Gott,„daß er keinen Menschen in der Welt wisse, dem er feind wäre". —Am dritten Trinitatis-sountag 1704 predigte er zum letztenmal; er wurde von Steinschmerzen befallen und warsich alsbald darüber klar, daß er dem Ziel seiner Laufbahn nahe stehe. Kurz vor seinemTode, der am 5. Februar 1705 erfolgte, richtete er noch ein Schreiben an seinen Landes-herrn, den ersten König von Preußen, worin er ihm ganz besonders die Universität Halleals ein teures Kleinod seiner Lande empfahl.
Was den Mann zuvörderst charakterisiert, das ist der auch pädagogisch so höchstwichtige Grundsatz, daß ihm die Religion wesentlich Frömmigkeit ist, das stetige Beherrscht-sein des ganzen Seelenlebens und so zu allermeist des Willens durch den Gedanken anGott, durch das Bewußtsein seiner Gegenwart und unserer Verpflichtung gegen ihn. Erlegt, gegenüber dem Aufgehen der Religion in Lehrsätzen, also in Aussagen über Objek-tives, das Hauptgewicht auf das Subjektive, auf die Beschaffenheit des Willens, auf gott-gefällige Bestimmtheit des Fühlens und Denkens. Insofern bietet er, so groß sonst dieUnterschiede sind, eine Parallele zu Pestalozzi, und wenn man in dieser ganz allgemeinenBeziehung überhaupt den spätern Rationalismus als einen Geistesverwandten des Pietis-mus betrachtet, so ist dies nicht unrichtig. Aber Spenern war darum dennoch das Ob-jektive der Lehre keineswegs gleichgültig; um Frömmigkeit zu haben und zu üben, mußmau ja wissen, gegen wen man fromm sein soll, man muß Gott und seinen Willen,man muß die von ihm auf dem Wege der Offenbarung dargebotenen Mittel zur Er-füllung desselben kennen. Davon gieng ja Speners ganze katechetische Thätigkeit aus,daß er warnahm, wie entsetzlich wenig Erkenntnis die Masse der Christen und besondersdie Jugend habe; zu klarer, fester Erkenntnis zu helfen, dazu sollte die Katechese dienen.Und wie unrecht mau ihm that, wenn man ihm Gleichgültigkeit gegen die Lehre, gegendas kirchliche Dogma vorwarf, das geht am klarsten daraus hervor, daß er im Jahre 1667(Hoßbach I, S. 152) sogar eine Predigt gegen die Reformierten hielt, was er freilichspäter, als die Hugenotten in Frankreich nach Aufhebung des Edikts von Nantes sonichtswürdig behandelt wurden, sehr bereute; je mehr ihm die Gefahr vor Augen trat,die der ganzen evangelischen Kirche vom Jesuitentum her drohte, um so unerläßlichererschien es ihm, alle frommen Protestanten als Brüder anzuerkennen. — Jenes Obenan-stellen der Frömmigkeit, die damit auch als höchster Zweck aller Erziehung und Bildungerschien, mußte nun allerdings die Wirkung haben, daß manches, auf was man — mehrdem Herkommen gemäß, als auf klar bewußte Erkenntnis gestützt — hohen Wert zulegen pflegte, bedeutend geringer geachtet wurde. Das traf denn namentlich diejenigeGelehrsamkeit, die eben nur Wissenskram ohne praktischen Gewinn für jenen Hauptzweckzu sein schien; und auf welche bedenkliche Abwege namentlich im Norden von Deutschlandder spätere Pietismus in dieser Hinsicht geriet, während im Süden vornehmlich Bengeldie Gelehrsamkeit mit der Frömmigkeit zu verbinden bemüht war (s. d. Art. Bengel) istbekannt. Aber Spener selbst war von diesen Abirrungen fern; er verachtete keineswegsdie Wissenschaft neben der Frömmigkeit, aber es waren andre Wissensgebiete, auf die ihnsein praktischer Sinn hinwies, als die damals noch das allgemeine Vorurteil für sichhatten, die einzigen zu sein. Die Philologie hielt er hoch, ja er wünschte einen vielhöheren Betrieb derselben, als er ihn vorfand, aber allerdings lag ihm vornehmlich anden biblischen Grundsprachen zum Zwecke des Bibelstudiums, wogegen er das überallherrschende Latein, namentlich als Sprache für theologische Schriften und Prüfungen, be-seitigt wünschte, deshalb auch in Dresden ohne weiteres anfieng, in deutscher Sprache zuprüfen. Daß man ihm in einem so lateinischen Lande wie Sachsen jene Maßregel soauslegte, als wolle er damit nur die Mangelhaftigkeit seiner eigenen Latinität verdecken,kümmerte ihn nicht im mindesten; er schrieb und sprach sein Latein jedenfalls ebensogut,wie hundert andere Gelehrte. Philosophie, namentlich griechische, wollte er als Vorübung