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Spener.
sein Amt selbst niederlegen, da er, der Fürst, wegen seiner nicht mehr in seiner Residenzleben könne, — ein sauberes Geständnis aus dem Mund eines Fürsten! Spener aberhandelte als ein Mann und erklärte, daß ihm sein Gewissen nicht erlaube, sein Amtaus freien Stücken zu verlassen. Nun knüpfte der Kurfürst Unterhandlungen mit derbrandenburgischen Regierung an, die dann auch sehr gerne die Gelegenheit ergriff, Spener,der früher schon von ihr gerufen worden war, aber abgelehnt hatte, auf die abermalserledigte Propstei zu St. Nikolai in Berlin zu berufen, die mit einer Ratsstelle imKonsistorium verbunden war. Jetzt sandte der Kurfürst Spener seine unverlangte Ent-lassung und unmittelbar darauf traf der Ruf nach Berlin ein. Im Juni 1691 zog erdahin; nur drei Monate später starb der Kurfürst von Sachsen, es wurden in derFolgezeit wider Versuche gemacht, Spener nach Dresden zurückzubekommen, allein erblieb in Berlin. Hier hatte er unter anderem auch förmliche Schulinspektion zu führen;um so leichter konnte er seine gewohnten Katechisationen fortfetzen und ward in diesenund andern Arbeiten, die er nicht lang allein hätte bewältigen können, von seinem Freund,dem Prediger Schade, unterstützt. In Berlin fand er dankbare Aufnahme, auch dieKollegen erwiesen ihm Wolwollen und Achtung. Aber kaum hatte er Sachsen verlassen,so brachen nun erst die dortigen Gegner, namentlich die Leipziger, mit Wut gegen ihnlos und die Flut der Streitschriften gegen den Pietismus wurde noch gesteigert, als diebrandenburgische Regierung auf Speners Betrieb die Universität in Halle stiftete. Schonseit 1680 hatte dort eine Ritterakademie bestanden; seit 1690 war Christian Thomasius,den man wegen seiner Bekämpfung theologischer Unduldsamkeit aus Leipzig verjagt hatte,als Lehrer der Philosophie und Jurisprudenz an jener Akademie thätig gewesen und hatteeine Menge Studenten herbeigezogen, so daß ein tüchtiger Ansatz zu einer Universität schonvorhanden war; Spener gab Rat für die theologische Fakultät, und 1694 war die neueHochschule fertig. Da als theologische Lehrer Speners Freunde, A. H. Francke, Breit-haupt u. a. dahin berufen wurden, so sah Spener jetzt den Teil seiner M ässiäsria,der sich auf die theologischen UniversitLtsstudien bezog, in glänzende Erfüllung gehen,namentlich insofern, als statt der unfruchtbaren dogmatischen Streitfragen die Bibel selbstbehandelt werden und die Vorlesungen in deutscher Sprache stattfinden sollten, damit dieStudenten doch auch zur Gemeinde über göttliche Dinge deutsch reden lernen, und alspraktische Übungen in Gang kommen sollten, um für die Führung des Amtes die künf-tigen Prediger und Katecheten vorzubereiten. Ähnliches hatte in seinem Fache schonThomasius in Leipzig gethan, aber dadurch natürlich die Gelehrsamkeit der Perücken zumäußersten Zorne gereizt. Die neue Universität, schon als solche wegen der Nebenbuhler-schaft gehaßt, goß Öl ins Feuer; und die Wittenberger führten einen Hauptschlag, indemsie in einer „christ-lutherischen Vorstellung" Spenern 283 Ketzereien schuldgaben; alleinwie selbst Gegner Speners sich solcher über alle Begriffe schlechten Machwerke schämten,so wurde dadurch die Bewegung, die von ihm und von Halle ausgieng, natürlich nichtaufgehalten. Es ist unglaublich, mit welcher Roheit und Gemeinheit damals (z. B. inHamburg) einzelne Geistliche angeblich im Interesse der Rechtgläubigkeit und des reinenLutherthums gegen Spener und seine Freunde verfuhren, und welche lächerlichen Anschul-digungen man zu erheben sich nicht scheute; so klagte ihn zu Ende des Jahrhundertseiner an, er sei ein Platoniker, worauf Spener ehrlich zu erwidern hatte, daß er denPlato in seinem Leben nie gelesen. Indessen wußten, wie es in der Aufregung zu gehenpflegt, die Freunde und Verehrer Speners in ihren Verteidigungsschriften auch nichtimmer das richtige Maß einzuhalten; über eines und das andere solcher literarischenProdukte erschrak Spener selbst am meisten, wogegen er (s. Hoßbach II, S. 53) aneiner Streitschrift gegen ihn von Alberti in Leipzig, die mit Mäßigung und Gründlichkeitverfuhr, ein unverhohlenes Wolgefallen hatte. Daß Mystiker und Chiliasten mit ihmund seinen Bestrebungen in eine Verbindung gebracht wurden, die in Wahrheit nicht be-stand, so viele Berührungspunkte auch vorhanden waren, erschwerte seine Stellung nochum ein bedeutendes, ebenso, daß man ihn in den falschen Verdacht brachte, für eine Union