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Spener.
Reformationszeitalter als erste Beichte der jungen Kommunikanten samt Ermahnung,Fürbitte und der die letztere symbolisierenden Handauflegung vieler Orten an die Stelleder katholischen Firmung getreten, aber meist in Abgang gekommen war, weil man in ihreigentlich keinen sachlichen Inhalt fand. Diesen hat Spener in das entleerte Gefäß widergegossen, aber allerdings war es nicht mehr genau derselbe Inhalt, den z. B. Chemnitzvom streng lutherischen Standpunkt aus der Konfirmation zuerkannt hatte. Spener be-tonte nicht die objektiv kirchliche Seite der Sache, die Erinnerung an das empfangeneSakrament der Taufe und die auf Grund des Bekenntnisses zum Glauben der Kircheerfolgende Zulassung zur Kommunion, sondern ihm war die subjektive Wirkung das Haupt-moment, die Konfirmation war ihm eine segenverheißende, erweckliche Handlung; schon das-Aussprechen des Bekenntnisses geschieht nicht um der Gemeinde willen, damit sie darandie Fähigkeit zur Teilnahme am Abendmahl erkenne, sondern es ist ihm der Akt, durchwelchen der seither Unmündige sein geistliches Priestertum ausübt und seine Volljährigkeitin Christo erlangt; durch das sich daran anschließende Gelübde („den Berspruch") bindeter sich selbst und legt sich christliche Frömmigkeit als Lebensgesetz auf, und die äußereFeierlichkeit dient dazu, den Eindruck des Aktes auf das Gemüt desto stärker und dauernderzu machen. Ebendeshalb war es nach Speners Auffassung nicht notwendig, daß dieKonfirmation öffentlich geschah; bot die Vornahme derselben in der Kirche auch immerhineben in letzterer Hinsicht manchen Vorteil dar, so war er doch auch wider mehr einerHauskonfirmation zugeneigt, weil, wie er offen sagte, die Handlung in der Kirche leichtzu einem Kirchenschauspiel werden könnte. Ob das abzulegende Bekenntnis ein wörtlichesHcrsagen der kirchlichen Bekenntnisformel sei, oder in andrer Form geschehe, darauf kames ihm nicht wesentlich an, wenn nur die gläubige Hingebung des Herzens an Christus,die Frömmigkeit sich darin aussprach, — eine Ansicht, aus der sich allerdings der nichtscharf genug zu rügende Misbrauch entwickeln konnte, mit welchem gewissermaßen, wieauch in manchen andern Beziehungen, der spätere Rationalismus die Erbschaft desPietismus antrat, daß die Prediger für ihre Konfirmanden nach eignem Geschmack einGlaubensbekenntnis aufsetzen oder gar dasselbe von den Konfirmanden selber abfassen undvortragen oder wenigstens schriftlich am Altar überreichen ließen. (Wir haben diesenspeziellen Teil von Speners Reformen etwas eingehender hier dargelegt, um damit das,was in dem Art. Konfirmation, Bd. I, S. 1004 gesagt ist, zu ergänzen. Übrigenssei auf v. Zezschwitz, Katechetik I, S. 605—613 und auf die Katechetik des Unter-zeichneten, 5. Ausl. S. 587—595 verwiesen-)
Nach zwanzigjähriger Amtsführung in Frankfurt nahm Spener einen Ruf des Kur-fürsten von Sachsen, Johann Georg III. als Oberhofprediger in Dresden an, der durchFrankfurt reisend ihn predigen gehört hatte. Die Hauptbedingung, die er stellte, war,daß er frei und ungehindert die Wahrheit verkünden und dabei auf des Kurfürsten eigneUnterstützung rechnen dürfe. Er begann sein Amt in derselben Weise zu führen, wie inFrankfurt; aber bald mußte er empfinden, daß in dem Lande, wo man sich des reinstenund unverändertsten Luthertums rühmte, für seine Reformarbeit der Boden viel schwierigersei. Daß er z. B. in eigner Person die Jugend katechisierte, trug ihm von den geist-lichen Herren, die nie daran gedacht, zu solch einer Mühe sich zu erniedrigen, die be-rüchtigt gewordene Spottrede ein: der Kurfürst habe einen Oberhofprediger gewollt,habe aber statt dessen einen Schulmeister erhalten. Allein er ließ sich durch das Mis-wollen, das er schon kannte, als es sich anfangs noch unter äußerliche Bezeugung vonHochachtung verbarg, das aber bald genug offen gegen ihn hervortrat, in seiner ruhigenArbeit nicht stören, weil er diese einmal als göttlichen Beruf erkannte und auf GottesSegen und Durchhilfe vertraute. Was er vornehmlich ins Auge faßte, geht aus einerbrieflichen Äußerung aus jener Zeit hervor, da er (s. Hoßbach I, S. 173) sagt: „MeinHauptbestreben, so viel ich durch Rat und Beispiel dazu beitragen kann, geht zuerst dahin,daß der geistliche Stand zu seiner Lauterkeit und Heiligkeit, wovon gewiß die Frucht desAmtes am meisten abhängt, allmählich wider zurückgeführt und die eingeschlichenen Fehler