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9 (1887) Spanien - Vives
Entstehung
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Spencr.

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Wenn es wahr ist, daß man erst dann das Geld sparen lerne, wenn man es selbsthabe verdienen müssen, dann würde mit allem bisher Bemerkten die eigentliche Quelleder fraglichen Tugend noch nicht genannt sein, nämlich die eigne Arbeit des Kindes, sofernsie ihm einen Lohn einbringt. Wir sehen natürlich hier von der Fabrikarbeit der Un-mündigen ab, die von jeder humanen Pädagogik nur als ein tiefer Schaden beklagtwerden kann; ebenso von jeder bettelhaften Kinderindustrie mit Erdbeeren oder Veilchen-sammeln u. dgl. Aber wir halten es auch in geordneten Haushaltungen für ganz an-gemessen, wenn gewisse freiwillige Arbeiten eines Kindes, namentlich solche, die ein be-sonderes Geschick erfordern und die sonst durch irgend einen Fremden um Bezahlung ge-fertigt werden müßten, ihm wie zum Scherz honoriert werden. Es hat ein Knabe z. B.an einem Ferientag ein paar Stunden Holz für die Küche gespalten, da ists billig undangemessen, ihm ein paar Kreuzer Honorar zu verwilligen. Ein andrer giebt seinemjüngern Bruder freiwillig Musikstunden; das setzt unter Brüdern selbstverständlich Ver-druß und Thränen, aber sobald man sieht, es kommt etwas dabei heraus, so wird derLehrmeister auch honoriert. Ein Dritter hat etwa an Weihnachten eine kleine Drucker-presse bekommen; er druckt dem Papa Kaufmann Etiketten in den Laden, der MamaVisitenkarten, dem Onkel Stadtpfleger Steuerquittungsformulare; für alle solche Leistungenwird er billig bezahlt, und was so mit der Hände Arbeit verdient worden, das wird ersparen. Daß nicht Habsucht daraus werde, die zuletzt nichts mehr umsonst thun will,dafür wird der gute Geist des Hauses anderweitig sorgen; der Sohn soll auch beimEmpfang solchen Lohnes stets wissen und fühlen, daß man ihn gleichwol nicht wie denHandwerksmann ablohnt, sondern daß man eine Freude an seinem Arbeiten als solchemhat und darum auch ihm eine Freude machen will. Deswegen sagten wir oben: mansolle dem Knaben seine Arbeit wie zum Scherz honorieren. Wie alles derart nur inner-halb der Familie seine Berechtigung hat, so soll der Knabe auch fühlen, daß es die Liebeist, die ihm die Arbeit lohnt; damit wird aber nur die Liebe, nickt die Habsucht genährt.

Palmer.

Spartanische Erziehung, s. Lykurg.

Spencr. Was der Mann für die Katechese geleistet, ist schon in Bd. III S. 937und S. 965 f. gewürdigt worden, und wie die von ihm ausgegangene religiöse Sinnes-und Lebensrichtung auf die Erziehung in den Familien und Schulen gewirkt, wie siegleichsam eine neue Art praktischer Pädagogik erzeugt hat, davon war in dem ArtikelPietismus Bd VI S. II4, ff. das Nötige zu sagen. Es bleibt somit nur noch übrig,daß wir dem Manne selber einige Zeilen widmen, die jedoch unserem Zwecke gemäßaußer den wesentlichsten Lebensumständen bloß dasjenige enthalten sollen, was sein per-sönliches Wirken nach der pädagogischen Seite kennzeichnet.

Philipp Jakob Spener war von Geburt ein Elsässer, sein Vater ein geborner Straß-burger, in Diensten stehend als Registrator und Rath des Grafen von Rappoltstein. DerSohn wurde geboren in Rappoltsweiler am 13. Januar 1635. Mit der hervorragendenBegabung, die er als Kind schon zeigte, verband sich bei ihm, durch Natur und Erziehunggleichmäßig bedingt, ein zarter frommer Sinn; zu entschiedener Lebensrichtung wurdederselbe, als der 13jährige Knabe Augenzeuge war von dem seligen Hinscheiden seinerPatin, der verwittweten Gräfin Agathe von Rappoltstein, die seine liebevolle Wolthäteringewesen war und ganz besonders auf sein Gemüt durch ihre Gespräche mit ihm gewirkthatte. Eine niedere Schule hat er nicht besucht; im Elternhause ward durch Hauslehrersein Unterricht besorgt, hernach wurde er dem Rappoltsteiner Hofprediger Stoll über-geben, der außer tüchtiger klassischer Bildung ihn auch in Geographie und Geschichtedamals in den Schulen noch ungekannte Dinge unterwies. Im 15. Jahre kamer nach Colmar zu seinem Großvater Talzmann und besuchte dort das Gymnasium,bis er 1651 die Straßburger Universität bezog, zunächst um Philologie und Geschichte,sodann von 1654 an Theologie zu studieren. Bezeichnend ist für ihn, daß er diese als