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9 (1887) Spanien - Vives
Entstehung
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Sparsamkeit.

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-stellung von Ungeheuern Reichtümern, die seinerzeit eine desto bitterere Enttäuschung zurFolge hat; oder es setzt sich ein Mistrauen an, es sei Kasse und Buch wol nicht ganzin Ordnung; das dient nicht dazu, das kindliche Verhältnis rein zu erhalten. Leichterübrigens werden bei vernünftiger Leitung die Töchter diesen Punkt begreifen als die Söhne,wenn ihnen nämlich schon irgend ein aktiver Anteil an der Verwaltung des Hauswesensübertragen wird, oder wenn sie etwa in Abwesenheit der Mutter dieselbe ganz zu führenhaben. Erfahren sie, wieviel alle Tage für die allerunentbehrlichsten Dinge ausgegebenwerden muß, so lernen sie eben damit sparen. Wenn in manchen Familien die erwach-senen Töchter ein Monats- oder Jahrgeld erhalten, von welchem jede ihre sämtlichen Be-dürfnisse, Kleidung, Schuhwerk, Papier u. s. f. selbst zu bestreiten hat also nicht bloßTaschengeld, so kann das freilich für eine Schule der Sparsamkeit gelten, voraus-gesetzt, daß die Summe weder zu hoch noch zu niedrig bemessen ist. Wenn aber dasTöchterchen weiß, ein allfälliges Defizit wird, sei es mit oder ohne Murren, vom Papajedenfalls gedeckt, so wird der Zweck nicht erreicht; bleibt man aber streng bei der be-stimmten Summe, so ist damit eigentlich ein Band zwischen Eltern und Kinder gelöst,das nicht gelöst werden sollte, bis die Tochter ihren eigenen Hausstand gründet. Karlvon Raumer hat Recht, wenn er (Erz. der Mädchen, Bd. III, S. 407 der Geschichteder Päd.) hiergegen in seiner schlichten Weise bemerkt:Die Mutter wird zur erwachsenen,bescheidenen, vernünftig erzogenen Tochter sagen: Siehe, was mein ist, das ist dein."Ein Taschengeld ist aber damit nicht ausgeschlossen; denn soviel Selbständigkeit darf undsoll dem reiferen Jugendalter gewährt werden, daß es in Kleinigkeiten, die ihm Freudemachen, einen gewissen Spielraum hat und nicht jeden Kreuzer sich erst erbetteln, nichtüber jeden Kauf einer Handvoll Kirschen Rechenschaft ablegen muß. Niemeyer hat diessogar schon für das Kindesalter verlangt (Grunds. I, S. 318, 6. Aust.), so zwar, daßdas Kind über die Verwendung seines Taschengeldes Rechenschaft ablegen soll. Aber fürdas noch nicht konfirmierte Kind ist solch ein Eigentum immer eine Versuchung, nie einewirkliche Schule der Sparsamkeit, und das Rechenschaftablegen ist überdies noch eineVersuchung zum Lügen. Lehrer, welche fremder Eltern Kinder in Kost nehmen, thundaher sehr recht, sich auszubedingen, daß dieselben nicht von Haus aus mit Geld versehenwerden; Lehrmeister thun ebenfalls wol, zu verlangen, daß als Taschengeld für den Lehr-ling ihnen, den Lehrherren, eine Summe übergeben werde und daß sie allein dem Jungendas Seine verabreichen. Für das jüngere Kind hat die Idee des Sparens, außer derobenbemerkten Auferlegung des Schonens seiner Sachen, ihre Verkörperung nur in derSparbüchse. Was sie wert ist, das soll ihm aber klar werden, wenn einmal aus denKreuzern und Groschen samt den stattlicheren Pathengeschenken eine größere Summe ge-worden ist, mit der sich etwas Namhaftes, eine schöne Ferienreise unternehmen, ein wert-volles Buch, ein Instrument kaufen läßt; Schreiber dieses ist auf diesem Wege einst zumersehnten Besitze seines ersten eigenen, bescheidenen Klaviers gelangt. Insbesondere aberist mit der Sparbüchse dem Kind auch die Möglichkeit zur ersten, freien Übung der Wol-thätigkeit eröffnet, überhaupt zur freien Liebesübung, sei es zu einem Geburtstagsgeschenkfür Eltern oder Geschwister, sei es für die Armut, für die Mission u. s. f.Die Liebelehrt sparen und entbehren, um geben zu können." (Vgl. die Schrift: Über Kinder-erziehung, mit Vorwort von K. Bor mann, Berlin 1867, S. 33.) Das ist auchdas einzig richtige und erfolgreiche Mittel, um dem Geiz den Zugang ins kindliche Herzabzuschneiden, daß die Geneigtheit, zu geben, in dasselbe gepflanzt und durch wirklichesGeben ihm die Erfahrung beigebracht wird, wieviel seliger das Geben ist als das Nehmen.In zweiter Linie ist aber auch das Ehrgefühl zur Mitwirkung beizuziehen; wenn dasKind von Jugend auf hört, wie sehr der Geizige, der Filz als ein schmutziges, ver-ächtliches Subjekt beurteilt wird, wie man ihin selber augenblickliche Anwandlungen vonUngeneigtheit zum Mitteilen als Schande anrechnet: so wird auch von dieser Seite dieWurzel abgeschnitten, aus welcher sich der Geiz als eine der niedrigsten Arten der Selbst-sucht entwickeln könnte.