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9 (1887) Spanien - Vives
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Sparsamkeit.

des Hauses solch eine Herstellung (z. B. von zerrissenen Kleidern), so muß die Strafeals Ersatz dafür dienen, daß man den Jungen seinen selbstverschuldeten Verlust nicht eineWeile fühlen lassen kann. Dabei versteht es sich von selbst, daß ihm auch nicht jederWunsch befriedigt wird; wenn die Mutter schwach genug ist, der Tochter schon als Kindjeden Putz anzuschaffen, sie als Jungfrau jede Lustbarkeit mitmachen zu lassen, so wirdein künftiger Gatte ihr schwerlich noch einen Begriff von Sparsamkeit beibringen. DieZucht des Hauses hat aber nur dann einen Sinn, ist überhaupt nur möglich, wenn dieEltern nicht bloß an den Kindern, sondern zu allererst an sich selber sparen; wo derMann etwa ein Wolleben führt, dafür aber der Frau die Pflicht der Sparsamkeit zu-schiebt, oder wo die Frau des sparsamen Mannes Erwerb für sich verwendet: da wirddas Beispiel des besseren Teils schwerlich den schlechten Einfluß des anderen aufheben.Wo aber beide einträchtig jenes friedliche und genügsame Leben führen, für welches esgar kein Opfer ist, sich alles unnötigen Aufwands zu enthalten, wo man also auch denKindern nicht vorjammert, daß man auf so vieles verzichten müsse, weil man eben leiderdurch die Verhältnisse gezwungen sei, sich einzuschränken; wo man auch im Punkte derEhrenausgaben sich nicht durch Eitelkeit oder Schwäche verleiten läßt, ein vernünftigesMaß zu überschreiten, dagegen aber, wo es einem vernünftigen Zwecke gilt, destowenigerknausere: da lernen auch die Kinder aus Anschauung die Sparsamkeit von Luxus wievon Knickerei unterscheiden und üben, und dies um so besser, wenn ihnen gelegentlich aufihr Befragen die Eltern klare Rechenschaft von den Gründen geben, warum sie heuteunerbittlich sind und selbst das Wolfeiste zu teuer finden, weil es überflüssig ist, morgenaber bereitwillig ein Namenhaftes drangeben. Damit verbindet sich von selbst die wahreBelehrung über den Wert der Dinge im Gegensatz zu der Weltmeinung; wobei übrigensdie Eltern sich selbst wol zu prüfen haben, ob diese ihre Wertschätzung nicht auch einenur eingebildete ist, also den Kindern doch nicht den richtigen Maßstab für die angemesseneVerwendung des Geldes bietel. Wie manchmal hat ein Vater irgend eine Liebhaberei,deren wirklicher Wert keineswegs in richtigem Verhältnis zu dem dadurch verursachtenAufwande steht; Raritätensammler, Kunstliebhaber, Schöngeister, die alles zusammenkaufen,was ihrer Leidenschaft in die Augen sticht; dann wider, um eine Stufe weiter herab-zusteigen, Gourmands, die immer die frühesten Gemüse, die ersten Trauben auf der Tafelhaben müssen, denen nur die feinsten Cigarren genügen sie können daneben in allenübrigen Dingen sparsame Leute sein: aber Sparsamkeit lernen die Kinder doch nicht vonihnen und es muß gut gehen, wenn nicht das Andenken an sie durch den Gedanken ge-trübt wird: hätte der Vater seinen Liebhabereien weniger nachgehangen, den Kindern wäreein leichterer Lebensweg beschieden gewesen. Wird es dagegen dem Kinde selber klar, wieviel es den Eltern Dank dafür schuldet, daß sie um seinetwillen gespart haben, so wirdes nicht nur nicht durch Verschwendung denselben unnötige Opfer zumuten und ihre Gütemissbrauchen, sondern auch für seine eigne Zukunft sich das Nötige merken. Den Heran-wachsenden Kindern ist nun aber nicht bloß durch Wort und Beispiel Sparsamkeit imallgemeinen zu predigen, sondern es wird wol hin und wider gut sein, ihnen auch einengenaueren Einblick in eine häusliche Finanzverwaltung zu geben. Junge Leute habendavon gar sonderbare Vorstellungen; wie lange währt es, bis sie nur einmal auf dieFrage verfallen, woher denn eigentlich alle Tage ihre Nahrung und Kleidung komme?Wenn der Vater dem etwa auf einem auswärtigen Gymnasium oder einer Hochschule be-findlichen Sohne sagt: soviel ist meine jährliche Einnahme, soviel kostet der Haushalt,soviel kann ich also auf dich verwenden; für dich macht die Kost, die Kleidung, der Unter-richt soviel aus: dann sieht der Sohn selbst ein, wie er es in betreff seines eigenenVergnügens zu halten habe; er sieht, daß Sparsamkeit nicht ein Ausfluß der Engherzig-keit, sondern ein Gebot der Vernunft und Notwendigkeit ist. Es giebt Eltern, die auchihren Heranwachsenden Kindern niemals irgend einen Einblick in ihre Verhältnisse gewähren;selbst Wittwen von energischerer Gemütsart halten ihre Verwaltung oft bis an ihr Endegeheim. Wir können dies nicht gutheißen. Entweder bildet sich dann eine falsche Vor-