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9 (1887) Spanien - Vives
Entstehung
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Spanien, s. am Ende des Bandes.

Sparhafen, Sparbüchse, s. Sparsamkeit.

Sparsamkeit. Diese Tugend setzt, um ausgeübt werden zu können, dreierlei vor-aus: 1) daß man etwas habe, was man zusammensparen kann, ein Eigentum, eine Er-werbsquelle; 2) daß man den Wert des Geldes, als des Mediums aller Werte, undebenso den Wert der um Geld zu habenden Dinge einigermaßen kenne, und 3) daß manschon einen Lebenszweck ins Auge fasse, wozu das Sparen als Mittel dient. Dies allesvorausgesetzt, besteht die Sparsamkeit, als grundsätzliche Gewohnheit des Sparens, vielweniger darin, daß man mit Eifer und Hast aufs Erwerben und Aneignen bedacht wäre(das ist Habsucht), als vielmehr im sorgsamen Wachen über das auf ordnungsmäßigeWeise schon Erworbene, damit hiervon nichts ohne zwingende Notwendigkeit weggegeben,also auch das Kleinste nicht vergeudet werde. Gerade dieses Achten aufs Kleine, auf denKreuzer und Groschen, auf ein Restchen Brot (auf daß nichts umkomme" Joh. 6, 12),ist neben der Bereitwilligkeit, sich einen kostspieligen Genuß zu versagen, das Kennzeichendes Sparsamen im Gegensätze zum Verschwender, der für den augenblicklichen Genuß seinGut hingiebt, ohne an morgen zu denken. Vom Habsüchtigen und Geizigen aber unter-scheidet sich der Sparsame dadurch, daß jener die möglichste Vermehrung des todten Be-sitzes durch möglichst gesteigerte Einnahme, sei es auch auf bedenklichen Wegen, und durch

möglichst verringerte Ausgabe, sei es auch mit Verzicht auf wirklichen Lebensgenuß, als

Selbstzweck anstrebt (Geiz und Habsucht unterscheiden sich dann wider als negatives undpositives, als defensives und aggressives Verfahren; der Geiz läßt nichts, auch nicht dasGeringste seines Erwerbs, fahren, die Habsucht hat niemals genug am Erworbenen), wo-gegen der Sparsame nur einen für seine wahren Bedürfnisse genügenden Besitz anstrebt.Das aber ist ein sittlicher Zweck; denn um sittlich zu sein (1. Thess. 4, 12), d. h. um

nicht nur den Menschen gegenüber sich unabhängig bewegen zu können, sondern auch nicht

durch den täglichen und stündlichen Kampf um ven bloßen Unterhalt an aller höherenThätigkeit gehindert zu sein, bedürfen wir alle ein gewisses Maß von zeitlichem Besitz.

Nun treffen aber jene Voraussetzungen beim Kindesalter noch nicht zu. Das Kindbesitzt und verwaltet noch keinerlei Eigentum und verdient für sich noch kein Geld; eskennt noch nicht den Wert desselben und ebensowenig den Wert der äquivalenten Gegen-stände; und die Zukunft, für die es zu sparen hätte, liegt ihm noch in weiter Ferne, sieist für sein Denken und Wollen noch etwas Nichtvorhandenes. Man muß daher in einergeordneten Haushaltung eher darob bedenklich werden, wenn ein Kind schon einen wirk-lichen Sparsinn verrät; es ist viel natürlicher, daß ein gesunder, kräftiger Junge einegeschenkte Geldmünze nicht lange in der Hand behalten kann. Freut er sich auch, wennes in seinem Sparhafen klingelt, so würde er doch, sobald ihm freie Verfügung darübergelassen würde, an der ersten besten Bude seinen ganzen Reichtum hergeben, um ein Spiel-werk dafür zu kaufen, das er Tags darauf nicht mehr ansieht. Das lassen vernünftigeEltern einfach nicht zu; schon die Anlegung eines Sparhafens geschieht auf ihr Gebot,und höchstens ein- oder das andrcmal kann zu dem Mittel gegriffen werden, das Kinddurch eignen Schaden zu belehren, indem ihm sein Wille gelassen, aber hernach auch ge-hörig zu Gemüt geführt wird, was es jetzt, nachdem die Näscherei genoffen, das Spiel-zeug zerbrochen ist, von seinem Gelüste noch habe? Sparsamkeit wird zuerst nur durchZucht gelehrt. Das Kind muß dazu genötigt werden, sein kleines Eigentum an fahrenderHabe, Kleider, Bücher, Spielsachen zu schonen; was es verdorben oder verloren, dessenWideranschaffung darf ihm nicht zu leicht gemacht werden; fordert der Anstand, die Ehre

Dädag. Encyklo-ädie. IL. 2 . Aufl. 1