304 Ueber die menfchliche Natur.
eine befondere Erklärung zu geben. Aus diefemGrunde habe ich mich bei allen nur auf die Haupt-leidenfchaft eingefchrankt.
Eben diefer Vorfatz, die Weitfchweifigkeit zuvermeiden, ift auch der Grund, weshalb ich michnicht auf eine genauere Unterfuchung über den Wil-len und die direkten Leidenfchaften der Thiere ein-laffej denn es ift nichts einleuchtender, als dafs fievon derfelben Natur find , und durch diefelben Ur-fachen, wie bei den Menfchen erweckt werden. Ichüberlaffe cliefes dem eignen Nachdenken des Lefers;und fodere ihn zu gleicher Zeit auf zu erwägen,welch einen grofsen Zuwachs an Gewifsheit diefesdem gegenwärtigen Syfteme giebt.
Zehnter Abfchnitt.'
Von der Wifsbegierde oder der Liebazur Wahrheit.
A.her ich glaube, man kann uns einer grofsenNachläffigkeit befchuldigen, dafs wir fo manche Thei-le der menfchlichen Seele durchgegangen und fo vie-le Leidenfchaften unterfucht haben, ohne jene Liebezur Wahrheit in Erwägung zu ziehen, welche dieerfte Quelle aller unfrer Unterfuchungen war. Eswird alfo unfre Pflicht feyn, diefer Leidenfchaft, ehewir diefe Materie verlaffen, noch einige Betrachtun-gen zu fchenken und ihren Urfprung in der menfch-lichen Natur zu erforfchen. Es ift diefes eine Lei-den-