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2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
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Vori dem Willen u. f. w.

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eben die Art von Leidenfchaft, als wenn von ent-gegengefetzten Fällen entgegengefetzte Leidenfchaf-ten hervorgebracht werden.

Gewi ff e Uebel haben zuweilen diefelbigeWirkung, dafs fie Furcht hervorbringen, als diemöglichen oder unmöglichen. So zittert einMenlch,der in einem feften wohlverwahrten .Gefängniffe,ohne die mindefte Hoffnung zu entkommen, fitzt,wenn er an die Folter denkt, zu der er verurtheiltift. Diefes gefchieht nur, wenn das Uebel fürch-terlich und erfchrecklich ift; in welchem Falle esdie Seele immer mit Schauder verwirft, da es fichdoch immer wieder in Gedanken aufdringt. Hierift das Uebel gewifs und ausgemacht, aber die See-le kann nicht feft daran haften; und aus diefetnSchwanken und Ungewiffen entfteht eine Leiden-fchaft, die faft mit der Furcht einerlei ift.

Aber nicht nur alsdann, wenn das Gut oderUebel feiner Exiftenz nach ungewifs ift, ent-fteht Furcht oder Hoffnung, fondern auch alsdann,wenn es feiner Art nach ungewifs ift. Setzet, eserzähle jemand, deffen Wahrhaftigkeit unverdäch-tig ift, einem andern, dafs einer feiner Söhne plötz-lich erfchoffen ift, fo wird gewifs die Leidenfchaft,welche diefe Begebenheit verurfacht, fich nicht eherin blofse Traurigkeit verfetzen, als bis er ganz ge-wiffe Nachricht hat, welchen von feinen Söhnen erverlohren hat. Hier ift alfo ein gewiffes Uebel,aber die Art deffelben ift noch ungewifs. Folglichift die Furcht, welche wir bei diefer Gelegenheit

füh-