298 Ueber die menfchliche Natur.
fchung von andern Urfachen zu Stande gebrachtwerden kann, allemal auch die Leidenfchaften derFurcht und Hoffnung entftehen , wenn auch gleichkeine Wahrfcheinlichkeit da ift; und diefes mufsman als einen überzeugenden Beweis für die gegen-wärtige Hypothefe anfehen.
Wir finden, dafs ein Uebel, das blos als mög-lich gedacht wird, bisweilen fchon Furcht verur-facht; befonders wenn das Uebel fehr grofs ift.Kein Menfch kann an aufserordentliche Schmerzenund Quaalen denken, ohne zu zittern, wenn er auchnicht in der geringften Gefahr ift, fie zu leiden.Der Abgang der Wahrfcheinlichkeit wird durch dieGröfse cles Uebels erfetzt; und die Empfindung ifteben fo lebhaft, als wenn das Uebel wahrfcheinli-cher wäre. Eine Betrachtung oder ein Blick aufdie erftere macht eben fo viel Eindruck als mehrereauf die letztere.
Aber nicht nur mögliche Uebel vereinfachenFurcht, fondern felbft einige, die man für un-möglich hält, wie wenn wir am Rande eines Ab-grundes zittern, ob wir uns gleich in vollkommnerSicherheit wiffen, und es uns ganz frei fleht, obwir noch einen Schritt näher treten wollen. Diefesrührt von der unmittelbaren Gegenwart des Uebelsher, welches auf die Einbildungskraft einen ebenfo grofsen Einflufs hat, als die Gewifsheit habenwürde; aber fo wie wir bei einigem Nachdenkenfinden, dafs wir vollkommen in Sicherheit find, fohört jene Wirkung unmittelbar auf, und verurfacht
eben