jjo Ueber die menfchliche Natur.
diefer Umftand einen fo beträchtlichen Unterfchiedmacht, miiffen wir uns an dasjenige erinnern, wasich fchon im vorigen Buche über die Natur derWahrfcheinliclikeit bemerkt habe.
Die Wahrfcheinlichkeit entfteht nemlich, wennmehrere einander widerftreitende Fälle oder Urfa-chen da find, wodurch die Seele nicht genöthigetwird, fich auf eine von beiden Seiten mit Gewifsheitzu fchlagen, fondern vermöge deren fie unaufhörlichvon der einen zur andern wankt, und in dem einenAugenblicke beftimmt wircj, ein Ding als wirklichund in dem andern als nicht wirklich zu betrachten.Die Einbildungskraft oder der Verftand, nennt eswie ihr wollt, wankt zwifchen zwei Gefichtspunkten,und ob er fich vielleicht gleich öfters auf die eine alsauf die andere Seite lenkt, fo ift es ihm doch wegendes Widerfpruchs der Urfachen oder der Fälle un-möglich bei der einen oder der andern zu bleiben.Das Pro und Contra behält wechfelsweife dieOberhand; und der Verftand, der das Objekt mitfeinen widerftreitenden Gründen betrachtet, findetfich in einem folchen Gedränge von Gründen undGegengründen, dafs dadurch alle Gewifsheit und alleFettigkeit einer Meinung zerftört wird.
Man fetze nun, dafs das Objekt, wegen deffenPiealität wir zweifelhaft find, entweder ein Objekt desVerlangens oder des Abfcheues ift, fo mufs das Ge-müth offenbar, da es fich entweder auf diefe oderauf jene Seite wendet, eine augenblickliche Impref-fmn der Freude oder der Traurigkeit fühlen. Ein,
Ding