s$o Ueber die menfchliche Natur.
eines Platzes theilt der Einbildungskraft eine Artvon Stolz oder Erhabenheit mit, und giebt ihr eineeingebildete Superiorität über alles, was unten liegt,und umgekehrt, eine erhabene und ftarke Einbil-dungskraft führt leicht die Begriffe von Steigen undErhöhung herbei. Daher kommt es, dafs wir ge-wiffermafsen faft immer den Begriff von dem, wasgut ift, mit dem Hohen, und von dem, was böfe ift,mit dem Niedrigen affociiren. Der Himmel ift dergemeinen Meinung nach oben, und die Hölle unten.Einen edeln Geift nennt man einen hohen und er-habenen. Atque udam fpernit humumfugiente penna. Eine gemeine und trivialeVorftellung hingegen nennt man niedrig und gering.Könige und Fürften werden auf dem Gipfel desmenfchlichen Glücks gedacht; fo wie man fagt,dafs Bauern und.Tagelöhner die niedrigften Ständeausmachen. Die Arten zu denken und zu redenfind in ihren Folgen nicht fo unwichtig, als fie-esbei dem erften Anblicke zu feyn fcheinen.
Es leuchtet dem gemeinen Verftande eben fodeutlich ein als dem Philofophen, dafs kein natür-licher oder wefentlicher Unterfchied zwifchen hochund niedrig ift, und dafs diefe Unterfcheidung blosvon der Schwerkraft der Materie herrührt, welcheeine Bewegung des einen Theils zu dem andern her-vorbringt. Diefelbige Richtung, welche in diefemTheile der Erdkugel ein Auffteigen genenntwird, heifst bei unfern Antipoden ein Herab-fteigen; welches von nichts, als von dem
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