16 % Ueber die menfcbliche Natur.
Siebenter Abfchnitt.
Vou der Nähe und Entfernungin Raum und Zeit.
Der Grund ift leicht zu finden, weshalb ein je-des Ding, das in Zeit und Raum nahe bei uns ift,mit einer befondern Stärke und Lebhaftigkeit vorge-ftellt wird, und in feinem Einfluffeiauf die Einbil-dungskraft jedes andre Ding übertrifft. Unfer Ichift uns unmittelbar gegenwärtig, und was alfo mitdiefem Selbft in Verbindung fteht, mufs einen Theilvon diefer Eigenfchaft erhalten. Warum aber derBegriffeines Dinges, fobald es fo weit entfernt ift,dafs es den Vortheil diefes Verhältniffes verliehrt, im-mer fchwächer und dunkler wird, nach demMaafseals es fich von uns entfernt, bedarf vielleicht nocheiner befondern Unterfuchung.
Es ift bekannt, dafs die Einbildungskraft diePunkte des Raums und der Zeit, in welchen wir exi-fliren, nie ganz vergeffen kann ; fondern dafs fie vonden Leidenfchaften und Sinnen fo oft daran erinnertwird, dafs, foweit fie.auch ihre Aufmerkfamkeit auffremde und entfernte Objekte richten mag, fie den-noch jeden Augenblick genöthiget wird an das Ge-genwärtige zu denken. Es ift auch merkwürdig,dafs wir uns folche Objekte, die wir alle reell undwirklich betrachten, jederzeit in ihrer eigenthiimli-chen Ordnung und Lage vorftellen, und niemals vondem einen zum andern, welches von ihm entfernt ift,
hin*