Von dem Willen n. f. w. s6t
tigkeit entfteht, nicht ctiefelbige Fähigkeit hat, wel-che von der Neuheit entfteht, nemlich fowohl dieangenehmen als unangenehmen Leidenfchaften zuvermehren. Das Vergnügen der Leichtigkeit be-fteht nicht fowohl in einer Gährung der Lebensgei*fter als vielmehr in ihrer ordentlichen Bewegung;welche bisweilen fo mächtig ift, dafs fie felbftSchmerz in Vergnügen verwandelt, und uns mitder Zeit .(Jas, was uns anfänglich zuwider und un-angenehm war, zur Quelle der Erholung macht.
Aber auch umgekehrt, fo wie die LeichtigkeitUnluft in Luft verwandelt, fo verwandelt fie auchoft Vergnügen in Schmerz, wenn fie zu grofs wird,und dieHandlungen der Seele fo fchwach und fchlaffmacht, dafs fie fie gar nicht mehr intereffiren undunterhalten können. Und in der That wird kaumein anderes Ding durch die Gewohnheit unange-nehm ; als folche, die zwar an fich einige Bewegungoder Leidenfchaft erregen können; welches aberdurch eine jedesmalige Wiederholung ganz verloh-ren geht. Es kann jemand die Wolken, den Him-mel, Bäume und Steine noch fo oft betrachten, ohnejemals Abfcheu dagegen zu fühlen. Aber fobalddas fchöne Gefchlecht, die Mufik, gutes Effen undTrinken oder fonft ein Ding, das feiner Natur nachangenehm feyn follte, gleichgültig wird, fo erwecktes leicht die entgegengefetzte Leidenfchaft.
Aber die Gewohnheit bewirkt nicht nur eineLeichtigkeit Handlungen zu begehen, fondern auch ei-ne Neigung und Streben nach derfelben, wenn fie nicht
fchon