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2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
258
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aj8 Lieber die menfcbliebe Natur.

und fliefsen zuletzt in die herrfchende Leiden*fcliaft über.

Nach meiner Meinung ift kein anderer Grund,weshalb die Sicherheit die Leidenfcbaften fchwächt,als weil fie die Ungewifsheit hebt, die fie verftär-lten. Bleibt Geh die Seele felbft überlaffen, fo wirdGe unmittelbar fchlaff; um alfo ihr Feuer zu erhal-ten, mufs fie beftändig durch einen neuen Zuflufsder Leidenfchaft unterftützt werden. Aus densel-ben Grunde hat die Verzweiflung mit der Sicherheiteieichen Einflufs, ob fie gleich diefer gerade entge-gengefetzt ift.

Es ift bekannt, dafs nichts mächtiger ift, ei-nen ftarken Affekt zu erregen, als wenn man einenTheil feines Objekts in den Schatten bringt und esdadurch verbirgt, zwarfo, dafs immer noch genugdavon gefehen werden kann, um uns zu Gun ft eitdes Gegenftandes einzunehmen, aber die Einbil-dungskraft mufs doch immer dabei etwas zu tliunbehalten. Yienn aufser, dafs die Dunkelheit alle-mal mit einer Art von Ungewifsheit begleitet ift, foerhebt auch noch die Anftrengung der Phantafie, dasBild zu ergänzen, die Lebensgeifter, und giebt derLeidenfchaft einen merklichen Zufatz an Stärke.

So wie Verzweiflung und Sicherheit, ob fiegleich widerfprechende Leidenfchaften find, einer-lei Wirkungen haben; fo bemerkt man, dafs dieAbwefenheit die entgegengefetzten Wirkungen hat,und unter verfchiedenen Umftänden bald unfre Lei-denfchaften yerftärkt, bald fchwächt. Der Her-zog