2f4 V e b e r die menfchlichc Natur.
bige Gut, wenn es nahe ift, eine heftige, und wen»es entfernt ift, nur eine ftille Leidenfchaft erregt.Da diefe Sache recht eigentlich zu der gegenwärti-gen Unterfuchung über den Willen gehört, fo müf-fen wir. fie hier bis auf den Grund unterfuchen, undwollen einige von denen Umftänden und Lagen derObjekte in Erwägung ziehen, welche eine Leiden-fchaft entweder ftill oder heftig machen.
Es ift eine merkwürdige Eigenfchaft in dermenfchlichen Natur, dafs eine Gemüthsbewegung,welche eine Leidenfchaft begleitet, fehr leicht felbftin diefe Leidenfchaft verwandelt wird, ob fie gleichihrer Natur nach urfprünglich von einander verfchie-den und fogar oft einander entgegengefetzt find. Esift wahr, um eine vollkommne Vereinigung unterden Leidenfchaften zu bewirken, wird allemal eindoppeltes Verliältnifs der Impreffionen und Begriffeerfodert, und ein einziges Verhältnifs ift zu diefemZwecke nicht hinreichend. Aber ob diefes gleichdurch unbezweifelte Erfahrung beftätiget ift, fomtiffen wir doch die dazu gehörigen eigenthümli-chen Einfchränkungen nicht weglaffen, und müffenwohl bedenken, dafs diefe doppelten Verhältniffenur erforderlich find, um zu bewirken, dafs dieeine Leidenfchaft die andere hervorbringt. Wennzwei Leidenfchaften fchon, jede durch ihre befon-dere Urfachen erzeugt, und beide in der Seelegegenwärtig find, fo vermifchen und vereinigen fieficli leicht, ob fie gleich nur ein Verhältnifs, undoft fogar keines gegen einander haben. Die herr-
fchende