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2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
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Von dem Willen u. f. w.

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fchende Leidenfchaft verftärkt die geringere und ver-einigt fie mit lieh felbft. Wenn die Lebensgeiftereinmal erweckt find, fo nehmen fie leicht eine an-dre Richtung an; und man kann fich leicht denken,dafs diefe Veränderung von der gröfsern Leiden-fchaft verurfacht werden wird. Die Verknüpfungift in mancher Rückficht zwilchen zwei Leidenfchaf-ten enger, als zwilchen einer Leidenfchaft und demZuftande der Gleichgültigkeit.

Ift eine Perfon einmal recht fehr verliebt, fodienen die kleinen Fehler und Kapricen feiner Ge-bieterin, die Jalufien und Zänkereien, welche beieinem Umgänge diefer Art hie und da vorfallen; founangenehm fie find, und fo nahe fie an Verdrufsund Aerger grenzen mögen; dennoch nur derherrfchenden Leidenfchaft mehr Stärke zu geben.Wenn weltkluge Leute einem andern eine Bege-benheit erzählen, wobei fie die Abficht haben, fei-ne Theilnehmung zu erwecken, fo ift es einer ihrergewöhnlichen Kunftgriffe, dafs fie erft feine Neu-gierde reizen, und fie fo fpät als möglich befriedi-gen; und, hierdurch treiben fie feine Aengftlichkeitund Ungeduld aufs Höchfte, ehe fie ihm die Sachegänzlich eröfnen. Sie wiffen nemlioh, dafs ihn fei-ne Neugierde in die Leidenfchaft wird fallen laffen,in welche fie ihn gern bringen wollen, und welcheden Einflufs des Objekts auf das Gemüth verftärkt.Wenn ein Soldat in die Schlacht geht, lo begeiftertihn Muth und Vertrauen, wenn er an feine Freund«und Kameraden denkt; und Furcht und Schrecken

über-