Von dem Willen u. fi w. *4*
feyn foll; und felbft alsdann ift es, eigentlich zureden, nicht die Leidenfchaft, welche unvernünftigift, fondern das Urtheil.
Die Folgen find deutlich genug. Wenn eineLeidenfchaft nie in irgend einem Sinne, unvernünf-tig getiannt'werden kann, aufser wenn fie fich aufeine folche Vorausfetzung gründet, oder wenn fieunzureichende Mittel zu ihrem Zwecke wählt, foift es unmöglich, dafs fich Vernunft und Leiden-fchaft jemals widerfprechen, oder fich jemals umdie Regierung des Willens oder der Handlungenftreiten können. In dem Augenblicke, wo wir dieFalfchheit einer Vorausfetzung merken, oder dasUnzureichende der Mittel wahrnehmen, gehorchenunfre Leidenfcliaften ohne alle Widerfetzlichkeit derVernunft. Ich kann nach einer Frucht Appetit ha-ben, weil ich fie für eine Delikateffe halte, aberüberzeugt mich nur, dafs ich mich irre, fo hörtfogleich mein Verlangen auf. Ich kann gewiffeHandlungen begehen wollen, weil ich fie für Mittelhalte ein gewünfchtes Gut zu erreichen; allein damein Wille, diefe Handlungen zuthun, nur mittel-bar ift, und von der Vorausfetzung herrührt, dafsfie Urfachen der verlangten Wirkung find; fo darfich nur die Falfchheit diefer Vorausfetzung einfehen,und augenblicklich werden fie mir gleichgül-tig werden.
Für einen, der die Dinge nicht mit einemfcharfen philofophifchen Auge prüft, ift es fehr na-türlich, wenn er fich einbildet, dafs folche Hand-lungen