Von dem Willen u. f. ^ 243
jenem oberften Handlungsprincip beftehen kann*Auf diefe Art zu denken fcheint der gröfste Theilfowohl der altern als neuern Moralphilofopbie gegrün-det zu feyn; und es giebt kein weiteres Feld fowohlfür metaphyfifche ßeweife als populäre Deklama-tionen, als diefe vorgebliche Ueberlegenheit der Ver-nunft über die Leidenfchaft. Die Ewigkeit, Un-veränderlichkeit und der göttliche Urfprung der er-ftern find in dem vortheilhafteften Lichte auseinan-der gefetzt worden; und eben fo ftreng ift die Blind-heit, Unbeftändigkeit und Triiglichkeit der letztembehauptet worden. Um dieFalfchheit diefer ganzenPhilofophie zu zeigen, will ich mich bemühen zu be-weifen erftlich, dafs die Vernunft allein niemalsein Bewegungsgrund für irgend eine Handlung desWillens feyn; und zweitens, dafs fie fich niemalsbei der Direktion des Willens der Leidenfchaft wi-derfetzen kann.
Der Verftand äufsert fich auf zwei verfchiede-nen Wegen, je nachdem er nach einer ftrengen De*monftration oder nach der Wahrfcheinlicbkeit ur-theilt; je nachdem er die abftrakten Verhältniffe un-frer Begriffe erwägt, oder folc.he Verhältniffe derDinge j wovon uns blos die Erfahrung unterrichtet.Ich glaube, man wird kaum behaupten, dafs die eilteArt des Raifonnements allein je die Urfache einerHandlung feyn kann, denn da die eigentümlicheProvinz deffelben die Ideenwelt ift, und da der Wil-le uns jedesmal in die wirkliche Welt verletzt, fofcheinen um deswillen denionftrative Gründe und
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