Druckschrift 
2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
238
Einzelbild herunterladen
 

238

Ueber die menfchliche Natur.

men wird; fondern ich eigne der Materie jene ver-ftändliche Eigenfchaft zu, welche, man mag fie nunNothwendigkeit nennen oder nicht, die ftrengfteOrthodoxie dem Willen beilegt oder beilegen mufs.Ich nehme alfo keine Veränderung in den bisher an*genommenen Syftemen, in Anfehung des Willens,vor, fondern nur in Anfehung der materiellenDinge.

Ja ich gehe noch weiter, und behaupte, dafsdiefe Art von Nothwendigkeit der Religion und Mo-ral fo wefentlich ift, dafs ohne diefelbe eine gänzli-che Zerrüttung von beiden erfolgen müfste, und dafsjede andere Vorausfetzungalle göttlichen undmenfchlichen Gefetze gänzlich zerftören würde.Denn da alle menfchliche Gefetze fich auf Strafe undBelohnung gründen, fo liegt offenbar als ein Haupt-moment dabei zum Grunde, dafs diefe Motive einenEinflufs auf das Gemüth haben, und die guten Hand-lungen befördern, dieböfen aberverhindern können.Diefem Einfluffe mögen wir nun einen Namen geben,welchen wir wollen; da er doch gewöhnlich mit derHandlung verknüpft ift, fo fodert der gefunde Men-fchenverftand, dafs man ihn für eine Urfache halte,und dafs man ihn als ein Beifpiel derjenigen Noth-wendigkeit anfehe, welche ich behaupte.

Eben fo bündig läfst fich diefes Raifonnementauch auf die göttlichen Gefetze anwenden, in foweitman die Gottheit als einen Gefetzgeber betrachtetund annimmt, dafs er Belohnungen und Beftrafun*gen, in der Abficht, Gehorfam zu bewirken, austheilt.

Aber