Von dem Willen u. f. w.
235
es jemand leugnen und uns auffodern wollte einenVerfuch zu machen, wir fühlen, dafs der Wille je-den Weg einfehlägt, und ein Bild von freien Stü-cken felbft auf derjenigen Seite hervorbringt, wohiner gar nicht gerichtet war. Diefes Bild oder diefefchwache Vorftellung hätte können > wie wir unsüberreden, in das Ding felbft verwandelt werden;weil, wenn man es leugnen füllte, wir finden, dafsein zweiter Verfuch beweifen würde, dafs es gefclie-hen kann. Allein diefe Bemühungen find fämmtlichvergebens; und wir mögen noch fo eigenfinnige undirreguläre Handlungen ausfinnen, wovon das Ver-langen unfre Freiheit zu zeigen der einzige Bewe-gungsgrund ift; fo können wir uns doch niemalsvon den Banden der Nothwendigkeit frei machen.Wir mögen uns immer einbilden eine Freiheit in unszu fühlen; ein Zufchauer wird dennoch unfre Hand-lungen gewöhnlich aus unfern Bewegungsgründenund Charakter able'iten können; und gefetzt erkönnte es nicht, fo wird er doch im Allgemeinenfchliefsen miiffen, dafs er es würde thun können,wenn er nur vollkommen mit jedem Umftande un-frerLage und Gern üthsbefchaffenheit und mit den ge-heimftenQuellen unfrer Komplexion und Seelenfiim-mung bekannt wäre. Hierinne befteht aber nachder vorhergehenden Theorie gerade das Wefen derNothwendigkeit,
Ein dritter Grund, weshalb die Lehre von derFreiheit in der Weit gemeiniglich mehr Eingang findet,als ihr Gegentheil, rührt von der Religion her, wel-che