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2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
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224 Uebcr die menfeh liehe Natur.

Regierung macht eine Unterfcheidung des Eigen*thums nöthig, und beftimmfc verfchiedene Ständeunter den Menfchen; diefes bringt Induftrie, Han-del, Manufakturen, Proceffe, Krieg, Verbindun-gen, Allianzen, Land - und See-Reifen, Städte,Flotten, Häfen und alle die übrigen Dinge undHandlungen hervor, welche eine fo grofse Verfchie-denheit verurfachen, und doch auch zugleich einefolche Einförmigkeit in dem menfchlichen Lebenunterhalten.

Sollte ein Reifender, der von einem fernenLande zuriiokkäme, uns erzählen, dafs er ein Kli-ma im funfziglten Grade nördlicher Breite gefundenhätte, wo alle Früchte im Winter reifen und zurVollkommenheit kämen und im Sommer erfterben,gerade fo wie diefes in England in den entge-gengefetzten Jahreszeiten gefchieht, fo würde ergewifs wenig finden, die fo leichtgläubig wären, ihmGlauben beizumeffen. Und ich glaube, ein Reifen-der würde eben fo wenig Glauben finden, wenn erein folches Volk gefehen zu haben vorgäbe, wie wires in Platos Republik auf der einen oder inHob b es Leviathan auf der andern Seite ge-fchildert finden. Es giebt in den menfchlichen Hand-lungen eben fowohi einen Lauf der Natur, als inden Wirkungen der Sonne und des Himmels. Ver-fchiedene Nationen und einzelne Perfönen habeneben fowohi ihren eigenthümlichen und befondernCharakter, als das Menfchengefchlecht einen ge-

meinfchaftlichen hat. Die Kenntnifs diefer Cha*

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