Von der Liebe und dem Haffe. 215
Die Liebe in denThieren hat nicht blosThierevon derfelben Gattung zum Objekte, fondern er-ftreckt ficli weiter, und begreift faft jedes empfin-dende und denkende Wefen. Ein Hund liebt nachfeiner Natur einen Menfchen mehr als fein eignesGefchlecht, und findet dafür gewöhnlich eine wech-felfeitige Zuneigung.
Da die Thiere der angenehmen oder unange-nehmen Empfindungen der Einbildungskraft nur we-nig empfänglich find, fo können fie über die Ob-jekte nur nach der finnlichen Luft oder Unluft, diefie hervorbringen, urtheilen, und nach diefermüffen fie alfo auch ihre Neigungen gegen fie ord-nen. Demnach finden wir, dafs wir durch Wohl-thaten oder Beleidigungen ihre Liebe oder Hafs er-wecken; und dafs wir, wenn wir ein Thier fütternoder es liebkofen, eben fo fchnell feine Zuneigungerwerben; als wir uns, wenn wir es fchlagen oderübel behandeln, feine Feindfchaft und Zorn zuziehen.
Verwandtfchaft verurfacht bei Thieren nichtfo oft.Liebe als bei unferm Gefchlecht; denn ihrNachdenken kann die Verwandtfchaft, die fehr ge-wöhnliche und häufige ausgenommen, nicht faffen.Aber es ift dennoch leicht zu merken, dafs fie beieinigen Gelegenheiten einen grofsen Einflufs auf fiehabe. So erzeugt Bekanntfchaft, welche eben dieWirkung als Verwandtfchaft hat, in ihnen fowohlgegen Menfchen, als gegen ihres gleichen, Liebe.Aus demfelbigen Grunde ift auch die Aehnlichkeitunter ihnen eine Quelle der Zuneigung. Ein Stier,
der