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2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
207
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Von der Liebe und dem Haffe. 207

gebigkeit, Schönheit und vielen andern Eigenfchaf-ten. Diefe haben eine befondere GefchicklichkeitLiebe in andern zu erzeugen; aber einen grofsenStolz in uns felbft können fie eben nicht erwecken;daher bringt die Betrachtung derfelben in andernMenfchen reine Liebe hervor und es ift nur eine fehrunbeträchtliche Mifchung von Demuth und Achtungdabei. Es ift leicht diefelbige Schlufsreihe auf dieentgegengefetzten Leidenfchaften anzuwenden.

Bevor wir diefe Materie verlaffen, wird es nichtunfchicklich feyn noch ein fehr feltfames hierher ge-höriges Phänomen zu erklären, nemlich weshalbman gemeiniglich diejenigen, welche man verachtet,von lieh entfernt hält, und warum wir folche, diewir unter uns glauben, felbft nicht d^m Orte undder Lage nach, uns gern allzunahe kommen laffen.Es ift fchon bemerkt worden, dafs faft jede Art derBegriffe von irgend einer Gemüthsbewegung beglei-tet fey. Diefes gilt felbft von den Begriffen der Zahlund der Ausdehnung, gefchweige denn von Begrif-fen folcher Objekte, welche Einflufs atifs Leben ha-ben und urifre Aufmerkfamkeit feffeln. Einen reichenoder armen Mann können wir nie mit gänzlicherGleichgültigkeit betrachten, fondern wir müffen da-bei wenigftens einige fch wache Rührungen von Ach-tung bei dem erftern und von Verachtung bei demletztem fühlen. Diefe zwei Leidenfchaften wider-fprechen einander; aber um diefen Widerfpruchfühlbar zu machen, müffen die Objekte auf irgendeine Art im Verhältniffe ftehen, denn fonft würden

die