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2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
206
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so 6 Ueber die menfchliche Natur.

obgleich ein und daffelbige Objekt allemal nach fei-nen verfchiedenen Verhältniffen Liebe und Stolz, De*muth und Hafs erzeugt, es doch feiten die beidenerften oder die beiden letzten Leidenfchaften in glei-chem Verhältniffe hervorbringt.

Hier ift es nun, wo wir eine Auflöfung derobenerwähnten Schwierigkeit fuchen müffen, warumein Objekt entweder neue Liebe oder Hafs erweckeund doch nicht allemal, wenn Demuth oder Stolzhinzukömmt, Achtung oder Verachtung erzeugt.Keine Eigenfchaft in einer andern Perfon erwecktdurch Vergleichung Demuth, wenn fie nicht, indemwir fie als in uns felbft verfetzt denken, Stolz er-zeugt; und umgekehrt, kein Objekt erweckt durchVergleichung Stolz, wenn es nicht, als Eigenfchaftvon uns gedacht, Demuth erzeugt. Hieraus wirdklar, dafs die Dinge jederzeit durch Verglei-chung eine Empfindung erwecken, die ihrer ur-fprün glichen gerade entgegengefetzt ift. Manfetze alfo, es werde ein Objekt vorgeftellt, welchesvornemlich zur Erzeugung der Liebe gefchickt ift,aber den Stolz nur fehr unvollkommen erweckt; fowird diefes Objekt, wenn es einem andern angehört,unmittelbar einen grofsen Grad der Liebe erwecken,aber bei der Vergleichung einen geringen Grad derDemuth; und daher wird die letztere Leidenfchaftin dem Zufammengefetzten Gemiithszuftande kaumgefühlt, und ift nicht im Stande die Liebe in Ach-tung zu verwandeln. Diefes ift der Fäll mit einemguten Temperament, guter Laune, Artigkeit, Frei-gebig*