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2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
205
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Von der Liebe und dem Haffe. 205

die zwei unangenehmen Leidenfchaflen eini e Ver-fchiedenheiten und widerfprecheride Eigenfchaftenan fich haben, welche fie unterfcheiden. Nichtsftärkt und erhöht das Gemiith, fo wie Stolz und EUtelkeit; dahingegen Liebe und Zärtlichkeit daffelbeleicht weichlich und fchlaff macht. Derfelbige Un-terfchied findet fich auch bei den unangenehmen Lei-denfchaften. Zorn und Hafs geben allen unfern Ge-danken und Handlungen eine neue Stärke; indeffen.Demuth und Scham uns niederfchlagen und muthlosmachen. Von diefen Eigenfchaften der Leidenfchaf-ten muffen wir uns nothwendig einen deutlichen Ee-griff machen. Lafst uns alfo wohl merken, dafsStolz und Hafs die Seele ftärken; und Liebe undDemuth fie fchwächen.

Hieraus folgt, dafs obgleich die Uebereinftim-mung zwifchen Liebe und Stolz in der Aehnlichkeitihrer Empfindungen macht, dafs fie immer durchgleiche Objekte erweckt werden, dennoch der zwei-te Unterfchied der Grund ift, warum fie in verfchie-denen Graden entftehen. Genie und Gelehrfamkeitfind angenehme und glänzende Objekte,und geben, um diefer beiden Umftände willen, demStolze und der Eitelkeit Nahrung; aber Liebe verur-fachen fie nur durch ihre Annehmlichkeit. Unwif-fenheit und Einfalt find unangenehm und ge-ringfchätzig, welche Eigenfchaften ihnen aufeben die Art eine doppelte Verknüpfung mit derDe-mulh und nur eine einfache mit demHaffe gewähren.Wir können es demnach für gewils annehmen, dals

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