Print 
2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Place and Date of Creation
Page
204
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
 

204 Ueber die menfchliche Natur.

der Eitelkeit ift fo reitzbar, dafs Ce bei der gering-ften Gelegenheit zum Vorfcheine kömmt, dahinge-gen die Demuth einen weit ftärkern Antrieb fo-dert, wenn fie fich zeigen foll.

Allein hier kann man mit Recht fragen, warumdiefe Mifchung nur in einigen Fällen ftatt finde, undnicht bei jeder Gelegenheit eintritt. Alle diejenigenObjekte, welche, wenn fie fich in andern Perfonenbefinden, Liebe verurfachen, werden Urfachen desStolzes, fobald fie uns zugehüren ; und folglich foll-ten fie auch eben fowohl Urfachen der Demuth alsder : ; ebe feyn, wenn fie andern zukommen, undblos mit folciien verglichen werden, welche wir felbftbelitzen. Auf gleiche Weife follte auch jede Eigen-fchaft, welche an fich erwogen, Uafs erzeugt, durchdie Vergleichung allemal Stolz hervorbringen, undaus der Mifchung diefer Leidenfchaflen des Haffesund der Liebe miifste Verachtung oder Gerinsjfchä-tzung entftehen. Die Schwierigkeit ift alfo, weshalbeinige Objekte ftets reine Liebe und Hafs hervor-bringen, und doch nicht allemal die vermifchtenLeidenfchaften der Achtung und Verachtung ver-urfachen.

Ich habe fchon oben zum Grunde gelegt, dafsdie Leidenfchaften der Liebe und des Stolzes, derDemuth und des Haffes fich der Empfindung nachähnlich find, und dafs die zwei erftern allemal ange-nehm, die zwei letztem allemal unangenehm find.Aber ob diefes fchon allgemein wahr ift, fo ift dochzu merken, dafs fowohl die zwei angenehmen als

die