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2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
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Von der Liebe und dem Haffe. 203

der klar. Ein und derfelbige Menfch kann durchfeinen Zuftand und durch feine Talente entwederAchtung, Liebe oder Verachtung erregen, je nach-dem die Perfon, welche ihn betrachtet, fich unterihn, ihm gleich oder über ihn fetzt. Sobald fich derGefichtspunkt ändert, fo ändert fich auch das Ver-hältnifs des Objekts gegen uns gänzlich, ob es gleichan fich daffelbige bleibt; welches denn auch die Ui>fache der Veränderung der Leidenfchaften ift. Die-fe Leidenfchaften entheben alfo von unfrer Bemer-kung des Verhäitniffes, d. h.vpn einer Vergleichung.

Ich habe fchon bemerkt, dafs das Gemütli weitmehr zum Stolze, als zur Demuth geneigt ift, undhabe mich bemüht eineUrfache für diefeErfcheinungaus dem Innern der menfchlichen Natur ausfindigzu machen. Aber man mag nun meine Erklärungannehmen oder nicht, fo ift doch die Wirklichkeitdes Phänomens felbft aufserStreit, und kann bei vie-len Gelegenheiten beobachtet werden. Und darausläfst fich unter andern auch erklären, warum bei derVerachtung deU Stolz weit ftärker jift, als die De-muth bei der Achtung, und warum uns der Anblickeines Menfchen, der unter uns ift, weit mehr erhebt,als uns die Gegen wart eines, der über uns ift, nieder-fchlägt. Verachtung und Spott hat einen 10 ftarkenAnftrich von Stolz, dafs faft keine andere Leiden-.fchaft dabei fichtbar ift; dahingegen bei der Hoch»fchätzung oder Achtung die Liebe augenfcheinlichein weit beträchtlicherer Theil ift und alfo weit mehrhervorfticht, als die Demuth, Die LeidqrUchaft

der-