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2 (1791) Ueber die Leidenschaften
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202 Ueber die menfchliche Natur.

Zehnter Abfchnitt.

Von der Achtung und Verachtung.

Nun find für unfre Erklärung nur noch die Lei-denfchaften der Achtung und Verachtungnebft der eigentlichen Liebe übrig, wenn wir alleLeidenfchaften, die einen Anftrich von Liebe oderHals haben, verftehen wollen. Lafst uns mit derAchtung und Verachtung den Anfang machen.

Wenn wir die Eigenfchaften und Zuftände an-derer betrachten, fo erwägen wir fie entweder, wieHe an fielt felbft find; oder wir ftellen zwifchen den-felben und unfern eignen Eigenfchaften undUmftän-den eine Vergleichung an; oder wir betrachten fieauf beide Arten. Die guten Eigenfchaften einesandern, auf die erfte Art erwogen, erzeugen Liebe;auf die andre Art Demuth, und nach-der drittenMethode Achtung, welche eine Mifchung diefer bei-den Leidenfchaften ift. Auf diefelbige Art erzeugennun auch ihre fchlochten Eigenfchaften entwederHafs oder Stolz oder Verachtung, je nachdem derGefichtspunkt ift, aus welchem wir fie betrachten.

Dafs in der Verachtung eine Mifchung vonStolz und in der Achtung eine Mifchung von De-niuth liegt, ift, dünkt mich, aus ihrem blofsen Gefühlund Wahrnehmen zu klar, als dafs es noch einesbefondern Beweifes bedürfte. Dafs diefe Mifchungvon einer ftillfchweigenden Vergleichung der verach-teten oder geachteten Perfon herrührt, ift nicht min-der