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Ueber die menfcbliche Natur.
kann lieh leicht einbilden., dafs das gegenwärtige Uebelwenn es mit mehr als gewöhnlicher Stärke wirkt,unfre Aufmerkfamkeit ganz und gar auf fich ziehenund die doppelte oben erwähnte Sympathie verhin-dern wird. So finden wir, dafs, obgleich die Men-fclien , insbefondere Frauenzimmer, leicht eine Artvon Zuneigung gegen Verbrecher, die zum Schaffotgeführt werden, faffen, und fich leichteinbilden,als wären fie ungemein fchön und wohlgeftaltet; den-noch derjenige, welcher der graufamen Executionder Hinrichtung felbft mit beiwohnt, dergleichenzärtliche Bewegungen nicht empfindet; fondern ge-wifferinafsen von einem Schauder überfallen wird,und gar nicht aufgelegt ift, diefe unangenehme Em-pfindung durch eine entgegengefetzte Sympathie zumäfsigen.
Doch der Fall, welcher meine Flypothefe inihrem lielJftcn Lichte darftellt, ift der, -wo mandurch eine Vertaufchung der Objekte' die zwiefacheSympathie felbft von einem mittelmäfsigen Grade derLeidenfchaft trennt; in welchem Falle wir finden,dafs das Mitleiden, anftatt wie gewöhlich Liebeund Zärtlichkeit hervorzubringen, immer die entge-gengefetzten Empfindungen erweckt. Wenn wir ei-nen Menfchen im Elende fehen, fo werden wir vonMitleiden und Liebe gerührt; aber der Urheber die-fes Unglücks wird der Gegenftand unfers ftärkftenHaffes, und der Abfcheu gegen ihn, ift um deftogröffer, je ftärker unfer Mitleiden ift. Warum folltenun diefelbe Leidenfchaft des MitleidensiLiebe gegen
die