Druckschrift 
2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
195
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Von der Liebe und dem Haffe.

Es ift ztiverläffig, dafs die Sympathie nicht alle*tnal auf den gegenwärtigen Augenblick eingefchränktift, fondern dafs wir oft durch Mittheilung deiiSchmerz und das Vergnügen anderer fühlen, dasgar nicht wirklich ift und das wir uns blos in derEinbildungskraft vorftellen. Denn man fetze, ichfähe einen mir völlig unbekannten Menfchen, derauf freiem Felde eingefchlafen da liegt und eben inGefahr ift von Pferden zertreten zu werden; fo wür*de ich unmittelbar zu feinem Beiftande eilen; undhierbei würde ich durch daffelbe Princip derSympa«thie getrieben werden, welches mich für die gegen«wärtige Angft eines Fremden beforgt macht. Es ifthinreichend, diefes blos zu erwähnen. Da dieSympa»thie nichts ift, als ein lebhafter Begriff, in eine Im-preffion verwandelt, fo ift offenbar, dafs wir beiErwägung des künftigen möglichen oder wabrfchein«Iichen Zuftandes eines Menfchen, uns denfelben folebhaft vorftellen, dafs wir uns gleichfam felbft irifeine Stelle fetzen; und auf diefeArt, angenehmeoder unangenehme Empfindungen fühlen, die wederuns angehören, noch irgend eine reale AVirklichkeitim gegenwärtigen Augenblicke haben.

Aber ob wir gleich, wenn wir mit einem Men-fchen fympathifiren, auf die Zukunft fehen, fo hangtes doch gröfstentheils von der Empfindung feines ge-genwärtigen Zuftandes ab, wie weit fich ünfre Sym-pathie erftrecken foll. Es gehört eine grofse An»ftreügung der Einbildungskraft dazu, wenn man fieltfolche lebhafte Begriffe von den gegenwärtigen Em*

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