Druckschrift 
2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
191
Einzelbild herunterladen
 

Von der Liebe und dem Haffe. 191

Es ift fichtbar, dafs fie nicht von den doppeltenVerhältniffen der Impreffionen und Begriffe enthe-ben, wenn wir nur auf die gegenwärtige Empfindungfeben. Denn nehme ich den erben Eall der Eifer-fucht, fo finde ich, dafs das Vergnügen und derVortheil eines Nebenbuhlers zwar nothwendig mirUnluft und Nachtheil verurfacht; aber dafs doch auch,um cliefes wieder ins Gleichgewicht zu bringen, feineUnluft und fein Nachtheil mir Vergnügen und Vor-theil verurfacht - , und nehme ich an, dafs ihm allesfehlfehlägt, fo kann ich hierdurch einen weit gröffern.Grad des Vergnügens von ihm erlangen. Auf glei-che Weife erfreuet mich das Glück meines Handels-genoffen ; aber fein Unglück betrübt mich auch ingleichem Maafse; und man kann fielt leicht einbilden,dafs v die letztere Empfindung in vielen Fällen dasObergewicht erhalten kann. Aber das Schickfalmeines Nebenbuhlers oder meines Handelsgefellfchaf-ters mag nun gut oder fcblecht feyn, fo hälfe ich dochallemal den erlten und liebe den zweiten.

Diefe Liebe zu meinem Kompagnon kann nichtaus dem Verhältniffe oder der Verknüpfung zwifchenuns entftehen; ich liebe ihn nicht, fo wie ich einenBruder oder Landsmann liebe. Ein Nebenbuhlerkann in einem eben fo engen Verhältniffe mit mirftehen als ein Kompagnon. Aber fo wie das Ver-gnügen des letztem mir Vergnügen, und fein Mifs-vergniige» mir Mifsvergniigen macht; fo verurfachtdas Vergnügen des erftern Mifsvergniigen, und feinMifsvergnügen Vergnügen in mir. Die Verknüpfung

der