Ijo lieber die menfchliehe Natur.
Diefem können wir noch eine andre Erfahrungbeifügen, nemlich dafs Wohlwollen und UebelwoiJen,und folglich auch Liebe und Hafs ohne ein weiteresVerhältnifs entheben, fobald unfer Glück oder Un-glück nur einigermafsen von dem Glück oder Un-glück eines andern Menfchen abhängig ift. DiefeErfahrung mufs ohne Zweifel einem jeden fo fonder-bar Vorkommen, dafs ich hoffe, man wird michentfchuldigen, wenn ich einen Augenblick bei derBetrachtung derfelben verweile.
Man fetze, dafs zwei Menfchen, die einerleiGewerbe treiben, ihr Unterkommen in einer Stadtfuchen, die fie nicht beide ernähren kann, fo iftoffenbar, dafs der glückliche Erfolg des einen mitdem Glücke des andern vollkommen unverträglichift, und dafs alles, was dem einen oder dem andernzum Vortheile gereicht, feinem Nebenbuhler allemalnachtheilig ift und fo auch umge'kehrt. Man nehmeferner an, dafs zwei Kaufleute, ob fie gleich in ver-fchiedenen Theilen der Welt leben, in Kompagniehandeln, fo wird das Glück oder der Verluft des ei-nen auch unmittelbar Glück oder Verluft für feinenKompagnon, und beide haben nothwendig einerleiSchicktai. Nun ift es einleuchtend, dafs in dem er-ften Falle aus dem widerftreitenden Intereffe allemalHafs entfteht; fo wie im zweiten aus cleffen Vereini-gung Liebe erfolgt. Lafst uns fehen, welchemGrundfatze wir diefe Leidenfchaften zufchreibenkönnen.
Es