Druckschrift 
2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
189
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Von der Liebe und dem Haffe. 18 S

ftimmen mit dem Uebelwollen überein. Nun ift dasMitleiden ein Verlangen nach der Gliickfeligkeit ei-nes andern und ein Abfcheu vor feinem Unglück;fo wie Bosheit die entgegengefetzte Neigung ift.Das Mitleiden fleht alfo mit dem Wohlwollen und dieBosheit mit dem Uebelwollen im Verhältniffe; undda das Wohlwollen durch eine natürliche und ur-fpriingliche Befchaffenlieit immer mit der Liebe, unddas Uebelwollen mit dem Haffe als verknüpft ange-troffen wird; fo lind die Leidenfchaften des Mitlei-dens und der Bosheit vermittelft diefer Kette mitLiebe und Hafs verknüpft.

Diefe Hypotliefe ift durch Erfahrung hinrei-chend bewährt. Ein Menfch, der um einiger Gründewillen einen Entfchlufs, einegewiffeHandlung zu be-gehen, unterhalten hat, durchläuft natürlicherweifealle andern Geficlitspunkte oder Beweggründe, wel-che feinenEntfchlufsflärken und ihm Gewalt und Ein-flufs auf das Gemiith verfchaffen hönnen. Um unsin irgend einem Vorhabeil zu beftärken, fuchen wirBewegungsgründe aus dem Nutzen, der Ehre, derPflicht u. f. w. Wie dürfen wir uns nun wundern,wenn Mitleiden und Wohlwollen, Bosheit und Ue-belwollen, lieh fo gänzlich mit einander vermifchen,dafs fie gar nicht von einander zu trennen find, daes diefelbigen Begierden find, die nur aus verfchie-denen Quellen entftehen? Was aber die Verknü-pfung zwifchen Wohlwollen und Liebe, Uebelwollenund Hafs betrifft, fo ift fie urfprünglich undur-anfänglich, und es ift alfo dabei keine Schwierigkeit.

Die-