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2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
187
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Von der Liebe und dem Haffe. 187

dem verfchiedenen Lichte, in welches fie ihre Ob-jekte ftellt. Wenn unfre Phantafie die Empfindun-gen anderer geradezu betrachtet, und ficli tief in die-felben einläfst, fo fühlen wir alle die Leidenfciiaf-ten felbft, die fie fich vorftellt, obgleich auf eine ei-genthümliche Art. Hingegen wenn wir die Empfin-dungen anderer mit den unfrigen vergleichen, fofühlen wir eine Empfindung, die der urfpriinglichengerade entgegengefetzt ift, nemlich eine Freude beianderer Betrtibnifs, und eine Betriibnifs bei ande-rer Freude. Aber diefes find nur die erften Gründeder Leidenfchaften, des Mitleidens und der Bosheit.Andre Leidenfchaften vermifchen fich nachher mitihnen. Allenthalben trifft man die Liebe oder Zärt-lichkeit mit dem Mitleiden, und den Hals oder denZorn mit der Bosheit gemifcht an. Diefe Vermi-fcliung fcheint anfänglich, ich mufs es bekennen,meinem Syftem zu widerfprechen. Denn da Mit-leiden ein Mifsverguiigen, und Bosheit eine Freudeift, die beide aus dem Elende anderer entliehen, fofollte das Mitleiden natürlicherweife, wie in allenandern Fällen, Hafs, und die Bosheit Liebe hervor-bringen. Diefen Widerfpruch denke ich auf fol-gende Art heben zu können.

Um einen Uebergang der Leidenfchaften zuverurfachen, wird ein doppeltes Verhältnifs der Im-preffionen und Begriffe erfodert, und ein Verhält-nifs allein ift niemals hinreichend diefe Wirkunghervorzubringen, Aber damit wir die ganze Kraftdiefes doppelten Verhältniffes verftehen mögen, fo

muffen