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2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
169
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Von der Liebe und dem JLaffe. 169

gänzlich, oder ziehen diefe nur fo weit in Erwä-gung, als fie unfre Bewunderung, Liebe und Zärt-lichkeit gegen ihn vermehren kann. Erfahrunglehrt uns, dafs diefer oder jener Grad der Leiden*fchaft auch gewöhnlich mit diefem oder jenem Un-glücke verbunden ift; und ob es gleich im gegen-wärtigen Falle eine Ausnahme ift, fo wird unfreEinbildungskraft doch durch die allgemeineRegel afficirt, und macht, dafs wir uns einenlebhaften Begriff von der Leidenfchaft machen, odervielmehr die Leidenfchaft in eben dem Maafse füh-len, als wenn die Perfon wirklich durch fie bewegtwürde. Aus eben diefen Gründen fchämen wir unsauch der Aufführung folcher, welche fich in unfrerGegenwart thöricht betragen; diefe Schaam über-fällt uns, wenn fie gleich gar keine Empfindung vonSchaam zeigen, und nicht das mindefte Bewufstfeynvon ihrer Thorheit zu haben fcheinen. Alles die-fes rührt von der Sympathie her; aber fie ift par-theiifch, und betrachtet ihre Objekte nur von einerSeite, ohne die andere zu erwägen, welche den ent-gegengefetzten Erfolg haben und diejenige Bewe-gung, welche von dem erften Anfcheine entfteht»ganz zerftreuen würde.

Wir haben fogar Beifpiele, wo Gleichgültig-keit und Unempfindlichkeit im Unglück unfer ln-tereffe für den Unglücklichen vermehrt, wenn auchgleich die Gleichgültigkeit nicht von Tugend undGeiftesgröfse herrührt. EinMord wird für weitftrafbarer gehalten, wenn er anPerfonen, die im

Schlafe