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2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
168
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*6? Ueber die menfchliche Natur,

eben folchen Vorfällen, als wir vor uns fehen , un-terworfen wäre, werden finden, dafs diefe Bemer-kung, fo wie eine grofse Menge anderer, welcheleicht anzuftihren wären, ihnen ganz entgegen ift.

Nur eine fehr feltfame Erfcheinung diefer Lei-denfchaft muffen wir noch bemerken, welche dar-inne befteht, dafs die mitgetheilte Leidenfchaft derSympathie zuweilen noch mehr Stärke von derSchwäche ihres Urbildes enthält, und felbft durcheinen Uebergang von Leidenfchaften entftehen kann,die gar nicht exiftiren. So, wenn ein Menfch einenehrenvollen Poften erhält, oder ein grofses Vermö-gen erbt, fo freuen wir uns um defto mehr überfein Glück, je weniger er es zu fühlen fcheint, undje mehr Gleichmuth und Gleichgültigkeit er im Ge-nuffe deffelben zeigt. Und eben fo wird ein Mann,der durch die Unglücksfälle nicht niedergefchlagenwird, gerade wegen feiner Standhaftigkeit ammeiften bedauert; und wenn die Tugend feiner Ge-duld io weit ginge, dafs er dadurch alle unangeneh-me Empfindung wegfehaffen könnte, fo würde un-fer Mitleiden dadurch nur um fo ftärker werden.Wenn ein Mann von Verdienft, in ein der gemei-nen Meinung nach grofses Unglück fällt, fo machenwir uns einen Begriff von feinem Zuftande; unfraPhantafie führt uns von der Urfache zu ihrer ge-wöhnlichen Wirkung, wir machen uns erft einenlebhaften Begriff von feinem Kummer, und fühleneine Impreffion davon, und überfehen die Gröfsades Geiftes, die ihn über folche Bewegungen erhebt,

gänz*