Von der Liebe und dem Haffe. 145
febr gefchwächt, welches nicht feyn würde, wennder Weg von beiden Seiten leicht und offen wäre.
Um nun einen Grund anzugeben, warum diefeWirkung bei der zweiten Verheirathung eines Va-ters nicht in gleichem Grade erfolgt: fo muffen wirdaran denken, was wir fchon oben bewiefen haben,dafs obgleich die Einbildungskraft leicht von derAnlchauung eines geringem Objekts zu einem gröf-fern übergehet, fie dennoch nicht mit eben derLeichtigkeit von dem gröfsern zum kleinern zu-riickgehet. Wenn meine Einbildungskraft von mirfeiGft zu meinem Vater gehet, fo gehet fie nicht foleicht von ihm zu feiner zweiten Frau, und betrach-tet ihn nicht als ein Mitglied einer verfchiedenenFamilie, fondern er wird immer noch als das Hauptderjenigen Familie angefehen, von welcher ichfelbft ein Theil bin. Seine Wichtigkeit verhindertden leichten Uebergang der Gedanken von ihm zufeiner Frau, aber er hält dennoch den Weg für eineRückkehr zu mir felbft an dem Verhältniffe des Kin-des und der Eltern offen. Er ift nicht in die neueVerwandtfchaft, die er erlangt hat, verfunken;und die doppelte Bewegung, oder der Schwung derGedanken ift noch Reicht und natürlich. Vermit-telft diefer Nachficht der Phantafie in ihrer Unbe-ftändigkeät behält die Verbindung des Kindes unddes Vaters noch feine volle Gewalt und Einflufs.
Eine Mutter hält ihre Verbindung mit ihremSohne nicht für gefchwächt, weil fie fie mit ihremEhemanne getheilt hat: und ein Sohn nicht die fei-Zweiter Bind, K nie6