Von der Liebe und dem Haffe. 145
Um ein vollkommenes Verhältnifs zwifchen.zwei Objekten hervorzubringen, wird nicht nur er-fodert, rlal’s die Einbildungskraft von einem zum an-dern durch Aehnlichkeit, Kontiguitätoder Cauffalitätgeleitet werde, fondern auch, dafs es mit gleicherLeichtigkeit und Ungezwungenheit von dem zweiten,zum erften zurückgehe. Beim erften Anblick kanndiefes eine nothwendige und unvermeidliche Folgezu feyn fcheinen. Wenn ein Ding dem andern ähnlichift, fo mufs das letztere auch nothwendig dem erfternähnlich feyn. Wenn ein Ding die Url’ache des an-dern ift, fo ift das andere Ding die Wirkung feinerUrfache. Eben fo ift es auch mit der Kontiguität:und da alfo das Verhältnifs allenthalben wechfelfei-tig ift, fo könnte man denken, dafs die Rückkehrder Einbildungskraft von dem zweiten Objekte zumerften, eben fo natürlich feyn müffe, als ihr Ueber-gang von dem erften zum zweiten. Allein bei einernähern Prüfung werden wir leicht unfern Irrthum ent-decken. Denn wenn man annimmt, dafs das zwei-te Objekt aufser feinem wechfelfeitigen Verhältnifszu dem erften auch in einer eben fo nahen Verbin-dung mit einem dritten ftehe; fo kehrt in diefem-Fal-le der Gedanke, der von dem erften Objekte zu demzweiten geht, nicht mit denselben Leichtigkeit wie-der zurück, obgleich das Verhältnifs daffelbigebleibt; fondern er wird aufserordentlich leicht zudem dritten Objekte geleitet, vermitteln des neuenVerhältniffes, weiches fich darftellt, und der Einbil-dungskraft einen neuen Stofs ertheilt. Diefes neue
Ver-