Druckschrift 
2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
141
Einzelbild herunterladen
 

Von der Liebe und dem Haffe. 14t

fchon eine Neigung zu derfelben Impreffion liegt,welche wir bei andern bemerken, und diefe alfo beieiner leichten Gelegenheit erweckt wird. DieAehn-lichkeit verwandelt in diefem Falle den Begriff ineine Impreffion, nicht nur vermittelft des Verhält»niffes, und dadurch, dafs fie die urfprüngliche Leb-haftigkeit dem verknüpften Begriffe mittheilt; fon-dern auch durch dieDarftellung folcher Materialien,die von dem geringften Funken Feuer fangen. Undda in beiden Fällen eine Liebe oder Neigung vonder Aehnlichkeit entfteht, fo können wir lernen,dafs eine Sympathie mit andern nur dadurch ange-nehm ift, dafs fie die Lebensgeifter in eine ftarkeBewegung fetzt, indem eine leichte Sympathie undkorrefpondirende Bewegung blos der V erwan dt-fchaft, Beka nntfch aft und Aehnlichkeiteigen find.

Die grofse Neigung der Menfchen zum Stolzekann als ein anderes ähnliches Phänomen angefehenwerden. Es ereignet fichoft, dafs, nachdem wir einebeträchtliche Zeit in einer Stadt gelebt haben; obfie uns gleich anfänglich unangenehm war; dafs liehdennoch, fo wie wir mit den Gegenftänden vertrau-ter werden und eine Bekanntfchaft, follte es auchnur mit den Strafsen und Häufern feyn, erlangen,die Abneigung fich allmählig mindert, und endlichgar in die entgegengefetzte Leidenfchaft verwandeltwird. Die Seele findet eine Befriedigung und Ge-nugthuung in dem Anblicke folcher Gegenftände, anwelche fie gewöhnt ift, und ziehet fie nach einem

natür-