i-o Ueber die menfchldche Natur.
Schönheit, oder Schmeichelei nützlich oder ange-nehm zu machen, ift unferer Zuneigung gewifs: fowie umgekehrt derjenige, der uns beleidiget odermifsfällt, jederzeit in uns Unwillen oder Hafs er-weckt. Wenn unfre Nation mit einer andern inKrieg verwickelt ift, fo verabfcheuen wir letztere,nennen fie graufam, treulos, ungerecht und gewalt-fam, uns felbft aber und unfre Alliirten halten wirimmer für billig, mäfsig und gelinde. Ift derGeneralunferer Feinde glücklich, fo geftehen wir ihm kaumdie Geftalt und den Charakter eines Menfchen z,u.Er ift ein Zauberer: fleht mit dem Teufel in Gemein-fchaft; wie man vom Olivier Cromwell undvon dem Herzog von Luxemburg erzählt:er ift blutgierig und findet ein Vergnügen im Plün-dern und Morden. Ift aber das Glück auf unfrerSeite, fo hat unfer Befehlshaber alle die entgegen-gefetzten guten Eigenfchaften, und ift ein Muftervon Tapferkeit, Muth und Gefchickliclikeit. SeineVerrätherei nennen wir Klugheit; feine Graufam-keit ift ein von dem Kriege unzertrennliches Uebel.Kurz jeden feiner Fehler Tuchen wir entweder zu ver-kleinern, oder würdigen ihn des Namens derjenigenTugend, die an ihn grenzt. Dergleichen Art zudenken, herrfcht auch, wie bekannt, im gemeinenLeben.
Andere fügen noch eine andereBedingung hin-zu , und verlangen, dafs das Vergnügen oder Mifs-vergnügen nicht nur von der Perfon herkomme,fondern dafs es auch wiffentlich mit befonderem Vor-
fazt