Druckschrift 
2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
102
Einzelbild herunterladen
 

icz Ueber die menfchliche Natur.

wären, fich der Welt zu zeigen, und die Liebe undden Beifall anderer Menfchen zu erlangen. Nunfind aber offenbar eben die Eigenfchaften und Urn-ftände, welche die Urfachen des Stolzes oder derSelbftfchätzung find, auch die Urfachen der Eitelkeitoder der Begierde nach Ruhm; und es ift eben fogewifs, dafs wir diejenigen Seiten von uns allemalam liebften zeigen, mit welchen wir felbft am beflenzufrieden find. Wäre nun Liebe und Achtung nichtdurch eben die Eigenfchaften hervorgebracht, alsder Stolz, je nachdem fie entweder mit uns odermit andern im Verliältniffe ftehen, fo würde diefeArt zu verfahren, höchft ungereimt feyn, und dieMenfchen könnten unmöglich eine Uebereinftim-mung in den Gefinnungen jeder andern Perfon mitihren eigenen erwarten. Es ift wahr, wenige kön-nen eine genaue Theorie der Leidenfchaften ent-werfen, oder Betrachtungen über ihre allgemeineNatur und Aehnlichkeiten anftelien. Aber ohnefolche lorLfchritte in der Philofophie gemacht zuhaben, find wir doch in diefem Stücke nicht vielenIrrthümern ausgefetzt, fondern werden durch diegemeine Erfahrung fowohl, als durch eine Art vonVorherempfindung, welche uns durch das, waswir unmittelbar in uns felbft fühlen, lehrt, was einDing bei andern hervorbringen wird, hinlänglichzurecht gewiefen. Da alfo diefelbigen Eigenfchaf-ten , welche Stolz oder Demulh hervorbringen,auch Liebe oder Hafs verurfachen; fo werden auchalle Beweife, wodurch dargetban worden ift, dafs

die