Von dem Stolze und der Demuth, 81
de entftehen fie weit natürlicher von der Einbildungs-kraft, und von jedem lebhaften Begriffe, den wiruns von ihnen machen. Darinne befteht die Naturund die Urfache der Sympathie: und diefes ift dieArt und Weife, wie wir fo tief in die Meinungenund Leidenfchaften anderer eingehen, wenn wir fieentdecken.
Was in diefer ganzen Sache vornemlich merk-würdig ift, ift die ftarke Beftätigung, welche diefeErfcheinungen unfrer vorhergehenden Theorie desVerftandes und folglich auch, da fie einander ana-log find, dem gegenwärtigen Syfteme der Leidenfchaf-ten geben. Es ift bekannt, dafs, wenn wir mit denMeinungen oder Leidenfchaften anderer fympathifi-ren, diefe Bewegungen anfänglich in unfrer Seeleblofse Begriffe find, und dafs wir fie uns eben fo alseinem andern angehörig vorftellen, wie jede andereäufsere Begebenheit. Es ift alfo offenbar, dafs dieBegriffe von den Leidenfchaften anderer wirklichin die Impreffionen, auf welche fie fich anfäng-lich blos beziehen, verwandelt werden, und dafsdie Leidenfchaften den Bildern gemäfs entftehen, diewir uns von ihnen machen. Alles diefes ift ein Ob-jekt der deutlichl’ten Erfahrung, und hängt von kei-ner philol'ophifchen Hypothefe ab. Die Philofophiekann hier nichts thun als diefe Erfcheinungen erklä-ren, wiewohl fie auch fchon von feibft fo klar undeinleuchtend find, dafs fie wenig Gelegenheit findet,ihre Kunft dabei zu zeigen. Denn'aufser dem Ver-hältniffe der Urfache und Wirkung, wodurch wir von2w«itet Bind. F dar