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2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
73
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Von dem Stolze und der Demuth. 73

ich die falfche Empfindung der Freiheit erklärenwerde *), welche macht, dafs wir uns einbilden,wir könnten etwas thun, was nicht fehr gefährlich,oder wobei nicht viel zu wagen ift. Wenn eine an-dere Perfon von keinen ftarken Vortheilen genöthi-getwird, ein Vergnügen auszufchlagen, fo urthei-len wir aus Erfahrung, dafs das Vergnügenwirklich werden könne, und dafs er es wahrfchein-licherweife erlangen werde. Aber wenn wir felbftin diefer Lage find, fo urtheilen wir vermöge einerIllufion der Phantafie, dafs das Vergnügenunfehlbar gewifs und unmittelbar da ift. Dem Wil-len fcheint jeder Weg leicht zu .feyn , er wirft einenSchatten oder ein Bild von fich, lelbft auf diejeni-ge Seite, wo er nie hinkommt. Vermöge die-fes Bildes, fcheint das Vergnügen fich uns zu nä-hern, und giebt uns eben die lebhafte Empfindung, alswenn es vollkommen gewifs und unvermeidlich wäre.

Nun wird es leicht feyn, cliefes ganze Piaifon-nement auf einen Punkt zufammen zu bringen, undzu beweifen, dafs wenn Reichthiiiner Stolz oderEitelkeit in ihren Befitzern hervorbringen, wie fiediefes denn immer thun, es blos vermittelet einesdoppelten Verhältniffes der Impreffionen und Be-griffe gefchehe. Das Wahre Wefen des Reichthumsbefteht in der Macht fich Vergnügungen und Bequem-lichkeiten des Lebens zu verfchaffen. Das wahreWefen diefer Macht befteht in der Wahrfcheinlich-keit ihrer Ausübung, und darin, dafs fie verur-

faclit,

*) Th. 3. Abfchn. z.

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