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2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
71
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Von dem Stolze und der Demuth. 71

halten, und es alfo ungewifs bleibt, ob er midibeleidigen wird oder nicht, £0 mufs ich in einerfolchen Lage unruhig werden, und kann die Mög-lichkeit und Wahrfcheinlichkeit einer folchen Belei-digung nicht ohne eine merkliche Verlegenheit undBeftiirzung betrachten. Die Leidenfchaften werdennicht nur durch gewiffe und untrügliche Eräugniffe,fondern auch durch mögliche und zufällige Begeben-heiten, obgleich in einem geringem Grade, erregt.Und ob ich vielleicht gleich nie wirklich eine Un-annehmlichkeit empfinde, und aus dem Erfolg ent-decke, dafs der Menfch, philofophifch zu reden,nie eine Macht hätte, mir zu fchaden, weil er fienie geäufsert hat; fo fchtitzt mich diefes dennoch vormeiner Unruhe, wegen der vorhergehenden Unge-wifsheit nicht. Die angenehmen Leidenfchaftenwerden hier eben fo gut wirken, als die unange-nehmen, und werden mir ein Vergnügen gewähren,wenn ich fehe, dafs ein Gut für mich möglich'oderwahrfcheinlich wird, wenn die Gründe weggefchafftwerden, die bisher denjenigen abhielten, der eineMöglichkeit oder Wahrfcheinlichkeit, d. h. ein Ver-mögen , mir es zu ertheilen, befafs.

Aber wir bemerken ferner, dafs diefes Wohl-gefallen fteigt, wenn ficli ein Gut uns fo nähert,dafs es in unfrer eignen Gewalt fteht, es anzu-nehmen oder es auszufchlagen, und wenn wederein phyfifches Hindernifs, noch fonft ein ftarkerGrund da ift, wodurch wir vom Genuffe deffelbenabgehalten werden. Da alle Menfchen ein Verlan-gen